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Wenn Religion auf Wirtschaft trifft

Christlich-muslimischer Unternehmerdialog zu ethischem Investment

Haben christliche Banken mehr Gemeinsamkeiten mit islamischen Geldinstituten als mit konventionellen Banken? Wie finden religiöse Werte Eingang ins Wirtschaftssystem, und was können sie dort bewirken? Fragen wie diese standen im Zentrum des vierten christlich-muslimischen Unternehmerdialogs, der am 22. September in Sankt Augustin stattfand.

Besucher des christlich-muslimischen Unternehmerdialogs "Gott, Geld und Gewissen - ethisches Investment im Christentum und im Islam"

 

Moderator Dr. Thomas Lemmen vom Erzbistum Köln startete die Diskussionsveranstaltung mit der Mahnung von Johannes Paul II, dass Christen und Muslime Menschen des Dialogs sein müssen. Besonders begrüßte er aber, dass die Veranstaltung praktische Fragen des Dialogs in den Mittelpunkt rückte. Denn unter dem Titel „Gott, Geld und Gewissen – Ethisches Investment im Christentum und Islam“ ging es gar nicht so sehr um das Verhältnis von Christen und Muslimen untereinander. Vielmehr wurde ausgelotet, welchen positiven Beitrag religiöse Werte dem Bankensystem und der Finanzwirtschaft geben können.

 

Tödliche Wirtschaft oder Segen des freien Marktes?
Den Auftakt machte Prof. Dr. Ursula Nothelle-Wildfeuer, Dekanin der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg. Sie erinnerte an den Ausspruch von Papst Franziskus, dass „diese Wirtschaft tötet“. Doch wie sieht die christliche Soziallehre unser Wirtschaftssystem?

Im Schnelldurchgang sprach die Wissenschaftlerin über das Verhältnis von Kirche und Christen zum Geld, zum Recht auf Privateigentum und zur Marktwirtschaft im Allgemeinen. Dabei wurde deutlich: Geld an sich ist nicht das Problem. Auch privaten Besitz und die Kräfte einer freien Marktwirtschaft lehnt die katholische Soziallehre nicht grundsätzlich ab. Falsch wird der Umgang Geld erst, wenn die Würde von Menschen leidet, Arme ausgegrenzt werden und die Schöpfung zerstört wird. Wer ethisch investieren will, kann daher aus christlichen Grundwerten ableiten, welche Art von Geldanlagen abzulehnen ist. Als Beispiel nannte sie das Ausschlusskriterium, nicht in Anti-Personenminen zu investieren.

 

Finanz- und Realwirtschaft dürfen nicht auseinanderdriften
Ali Aslan Gümüsay, der in Oxford lehrt und dort an seiner Doktorarbeit arbeitet, gab anschließend einige Einblicke in die Welt des islamischen Bankings. Dabei sprach er auch über das Zinsverbot, das sich aus dem Koran ableitet. Ein ebenso wesentliches Merkmal von islamischen Banking sei aber auch, dass Investitionen immer an die Realwirtschaft gekoppelt seien. Ein interessanter Punkt, da sich gerade in Finanzkrise gezeigt hat, dass unzählige Finanzinstrumente eben keinen unmittelbaren Bezug mehr zur Wirtschaft haben, und somit rein spekulativ sind. Gümüsay, der viele islamische Banken berät, beobachtet allerdings auch, dass viele dieser Institute die religiösen Werte eher als Einschränkung empfinden. Der Wissenschaftler legt den Eindruck nahe, dass bei islamischen Banken vieles eher auf Pflichterfüllung als auf Engagement und Hingabe angelegt ist. Er wünscht sich daher von muslimischen Kunden, nicht nur darauf zu achten, ob religiöse Gebote beachtet werden. Sie sollten auch hinterfragen, ob ein Angebot wirklich gut ist.

 

Die Finanzkrise als mahnendes Beispiel
Ethische Alternativen zum vorherrschenden Wirtschaftssystem wünscht sich auch der Unternehmer Öztürk Kalem. Mit seiner Firma Kalemdo ermöglicht er gesellschaftlich relevante Projekte durch Crowdfunding (Schwarmfinanzierung). Durch das Einwerben vieler kleiner Beiträge von ermöglicht sein Unternehmen Projekte und Initiativen, die keine klassische Finanzierung erhalten. Dabei hat sich Kalemdo auf die Ansprache ethnischer Minderheiten in Deutschland spezialisiert. Kalem erzählte, dass er in seiner Zeit als Banker die verheerende Wirkung der Finanzkrise für viele Menschen beobachtet habe. Zinsen lehnt er aus Überzeugung ab, da er die große Hebelwirkung des Zinseszinseffekts für schädlich hält. Dagegen pries es Crowdfunding als Möglichkeit, Finanzmärkte zu demokratisieren. Besonders positiv bei diesem Modell ist laut Kalem, dass die Geldgeber sich am Risiko des Projektes beteiligen: Sie übernehmen also Verantwortung.

 

Eine "Grauzone" bleibt
Abschließend stellte Bankgeschäftsführer Norbert Wolf vor, wie die Steyler Ethik Bank ethisches Investieren lebt. Er zeichnete dabei ein sehr differenziertes Bild. „Die Herausforderung ist: Weltweit gibt es kein einziges Unternehmen, das zu 100 Prozent nachhaltig ist.“ Dennoch ist er vom eigenen Ansatz überzeugt. Denn die Bank investiere in Unternehmen, die deutlich nachhaltiger als andere seien. Damit leisteten sie einen positiven Beitrag und seien Vorbild für andere. Wichtig ist Wolf, dass Geld dem Gemeinwohl dient. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass die Gewinne seiner Bank in soziale Projekte der Steyler Missionare fließen.

 

Warum Zinsen unislamisch seien und was die christliche Lehre gegen Atomkraft habe, waren zwei von zahlreichen Fragen, die das Publikum im Anschluss stellte. Deutlich wurde unter anderem, dass religiöse und allgemein-ethische Werte  nicht zu 100% deckungsgleich sind. Nicht jeder Muslim ist vom Zinsverbot überzeugt und nicht jeder Christ ist automatisch gegen Atomkraft. Entscheidend scheint am Ende ein ganz anderer Punkt zu sein: Der gemeinsame Nenner für Christen, Muslime und ethisch handelnde Menschen ist wohl, dass sie ihr Handeln überhaupt an Werten ausrichten und somit Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt übernehmen.

 

Hinweis: Der christlich-muslimische Unternehmerdialog ist eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Bunds Katholischer Unternehmer (BKU), des Katholisch-Sozialen Instituts (KSI), des Referats Dialog und Verkündigung des Erzbistums Köln und der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS). Die Steyler Ethik Bank war als BKU-Mitglied Gastgeber des Diskussionsabends.

 

Autor: Armin Senger


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