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Weihnachtsgeschichte 2013

Gott kommt immer auf zwei Beinen

Eine Geschichte aus der Mission
von Sonja Bürger


Wie jeden Morgen, macht sich der 10-Jährige Mosi auf seinen langen Weg zur Arbeit. Eine knappe Stunde läuft er zu Fuß von seinem Dorf im Kongo zu der Mine, in der er arbeitet. Ein langer Arbeitsweg und doch genießt Mosi diese Zeit zum Nachdenken. Denn Zuhause ist ständig etwas los. Eines seiner fünf jüngeren Geschwister weint immer.

Mosi denkt an den letzten Sonntag, den er mit seiner Familie im Gemeindehaus verbracht hat. Pater Frances, der neue Pfarrer in der kleinen Gemeinde in der Kivusee-Region, bietet hier nach dem Gottesdienst einen offenen Treff mit Frühstück an. „Wenigstens einmal satt essen in der Woche...“, das hat Mosi seiner Mama nicht gesagt, sondern nur gedacht. Denn er will seine Mama nicht noch trauriger machen.

Im letzten Jahr ist Mosis Papa gestorben. Er hat in der Mine gearbeitet und Coltan abgebaut. ‘Das Gold des Kongos‘, hat sein Papa immer gesagt. „Nun, uns hat es kein Glück gebracht“, denkt Mosi. Nun arbeitet Mosi dort, wie zuvor sein Vater.

An der Mine angekommen, gesellt er sich zu seinem besten Freund Jamil. Der 14-Jährige hat Mosi in der schweren Anfangszeit geholfen. Heute hat ihnen der Vorarbeiter wieder einmal den schlechtesten Platz zugewiesen: Der Stollen ist so schmal und eng, dass nicht einmal Mosi - obwohl klein und schmächtig - stehen kann. Das wird ein langer Tag werden.

Sehnsüchtig denkt er an die Zeit zurück, als sein Vater noch lebte und er die Schule besuchen konnte. Er würde so gerne richtig lesen und rechnen können. Auch Pater Frances hat am Sonntag noch betont, wie wichtig der Schulbesuch sei. Doch das ist für Mosi leider Vergangenheit.

„Hey, Mosi, was machst du denn für ein Gesicht?“, fragt Jamil ihn. „Ach, ich bin nur müde und sehne mich nach der Sonne...“, antwortet Mosi. „Tja, die werden wir heute wohl nicht mehr sehen“, gibt Jamil zu bedenken, „wenn unsere Schicht zu Ende ist, ist es draußen dunkel. Komm’ lass uns ein Spiel spielen: Was würdest du tun, wenn du in der Lotterie gewinnst und reich wärst?“, startet Jamil. „Hmmmh, lass mich mal überlegen“, setzt Mosi an. „Also zuerst würde ich meiner Mama ein kleines Radio kaufen – sie hat früher immer so gern gesungen - vielleicht macht sie die Musik ein wenig fröhlicher...“ Jamil lächelt. Kein Wunder, dass Mosi zuerst an seine Mama denkt, die er sehr lieb hat. „Eine eisgekühlte Cola, das wär’s“, träumt Jamil, „und ein Fahrrad, damit ich nicht immer so lange zur Arbeit laufen muss“. Jamil muss nicht lange überlegen.

Auch Mosi hat nun Feuer gefangen: „Ich würde zwei Ziegen kaufen, dann hätten wir immer genug Milch für meine jüngeren Geschwister. Und dir kaufe ich endlich den Fußball, den du dir schon so lange wünschst“. Nun strahlt Jamil: „Dann kicken wir um die Wette. Und für uns kaufe ich eine starke Taschenlampe für die Arbeit im Stollen“. „Ach“, seufzt Mosi, „das wäre doch das Beste am reich sein: Ich könnte aufhören zu arbeiten und endlich wieder zur Schule gehen...“. Beide hängen ihren Träumen nach, während sie weiter Seite an Seite arbeiten und das Gestein nach dem wertvollen Erz absuchen.

„Hier ist nichts mehr zu finden“, merkt Mosi nach einiger Zeit an, „ich versuche mein Glück mal in dem Seitenstollen“. „Pass aber gut auf, du weißt, wie gefährlich diese niedrigen Stollen sind“, mahnt Jamil. Auf den Knien bahnt sich Mosi seinen Weg in den Nachbarstollen. Dabei merkt er gar nicht, wie weit er sich von Jamil entfernt. Längst schon kann er dessen Hacken nicht mehr hören.

Aber tatsächlich: Als Mosi ein weiteres Mal im Stollen abbiegt, findet er eine vielversprechendere Stelle. Mit Feuereifer beginnt er zu hacken und sucht mit bloßen Händen im Gestein.

Plötzlich gibt es hinter ihm einen ohrenbetäubenden Knall. Eine dicke Staubwolke hüllt Mosi ein. Hustend dreht er sich um und erstarrt: der Stollen ist eingestürzt! Er kriecht zu dem Geröllhaufen, dicke Felsbrocken versperren den Schacht. Panik erfüllt ihn. „Oh Gott, ich bin verloren...“, schluchzt er lauf auf. Verzweifelt versucht er, einen der Brocken wegzuräumen. Nichts zu machen, die Brocken sind zu schwer. Erschöpft sinkt er auf einen dicken Felsvorsprung nieder und weint.

Nachdem Mosi sich wieder etwas beruhigt hat, erinnert er sich an die Geschichten seines Vaters. Das ist schließlich nicht das erste Mal, dass ein Stollen eingebrochen ist. „Du musst Ruhe bewahren, ihr seid ja immer ein Team. Dein Partner wird dich irgendwann vermissen und nach dir suchen. Vertrau darauf, dass du nie allein bist“. „Ja, Papa hat Recht“, denkt Mosi, „Jamil wird mich suchen“.

Unermüdlich schlägt er nun auf die Steine ein – tock, tock, tock - um Jamil in seine Richtung zu locken. Der erste Brocken liegt zertrümmert vor seinen Füßen. Aber auch das macht den Weg nicht frei. Erschöpft fällt der Junge auf die Knie, Tränen laufen ihm stumm die Wangen hinunter.

„Es ist alles sinnlos“, denkt er entmutigt, „hier findet mich niemand“. Dann sieht er das traurige Gesicht seiner Mutter vor sich. „Nein, ich darf nicht aufgeben. Mama braucht mich“. Mühsam rappelt er sich wieder hoch und beginnt erneut mit dem Hacken. Endlos ziehen sich die Minuten hin.

„Tock, tock, tock“ – was ist das für ein Geräusch? Mosi hat sich doch nur ganz kurz ausgeruht, ist er eingeschlafen und träumt von seiner Rettung? Schließlich hat er nicht gehackt. Nein, das ist kein Traum. Da ist es wieder: Das bekannte Klopfen der Hacke auf Stein. Sofort ist er hellwach. Das muss Jamil sein, der versucht, ihn aus diesem elenden Gefängnis hier zu befreien. Der Gedanke gibt ihm wieder neue Kraft. Nun fängt auch er wieder an zu hacken.

 Das Klopfen auf der anderen Seite wird lauter. Da, nun kann Mosi seinen Freund schon nach ihm rufen hören. „Jamil, hier bin ich“. „Auf dieser Seite liegen schon gar nicht mehr so viele große Brocken. Gib nicht auf! Komm, wenn wir beide hacken, schaffen wir das gemeinsam“, ermuntert Jamil seinen Freund.

Und so arbeiten sich die Beiden - jeder auf seiner Seite - durch den Geröllhaufen. „Ich bin nicht allein, Jamil hilft mir hier raus“, macht sich Mosi Mut. Er ist erschöpft und todmüde von der Anstrengung, aber auch er hackt weiter, und weiter, und weiter.... bis sich endlich ein größerer Felsbrocken löst... und damit einen kleinen Durchgang auf die andere Seite des Stollens freigibt. Mit der Hilfe seines Freundes gelingt es ihm, durchzuschlüpfen.

Strahlend nimmt Jamil den Jungen in Empfang: „Gott sei Dank geht es dir gut! Ich habe mir solche Sorgen gemacht“. Überglücklich lässt sich Mosi in dessen Arme ziehen. „Wie gut ist es, einen solchen Freund zu haben“, denkt er erleichtert, „den kann ich für kein Geld der Welt kaufen. Und wenn ich noch so reich wäre...“. „Danke, dass du mich gerettet hast“, schluchzt Mosi, „du bist wirklich ein toller Freund“. Dabei fallen ihm die Worte von Pater Frances Predigt ein: „Gott kommt immer auf zwei Beinen“.

Schule statt Arbeit

Die Geschichte von Mosi ist frei erfunden. Und doch hat sie einen realen Hintergrund.

Ob Coltan, Kupfer oder Gold – in einzelnen Minen im Kongo arbeiten Tausende „Kinderbagger” und „Kinderwäscher”, um den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien zu erarbeiten. Es ist keine Seltenheit, dass schon Zehnjährige unter menschenunwürdigen Bedingungen – oft ohne Sicherheitsvorkehrungen – mit den bloßen Händen in den Minen schuften müssen.

Die Steyler Missionare und Missionarinnen setzen sich dafür ein, dass Kinder wie Mosi nicht länger arbeiten müssen, sondern die Schule besuchen können. Sie bauen Ausbildungszentren, Internate und Berufsschulen und geben den Kindern damit ein neues Zuhause und – was noch wichtiger ist – eine Zukunft.

Sie möchten helfen, damit Kinder wie Mosi und Jamil eine Zukunft haben?
Die Steyler Missionare freuen sich über Ihre Spende!


Empfänger: Steyler Mission | Verwendungszweck: „Weihnachten 2013 – Hilfe für Afrika“
Bankverbindung: Steyler Bank | BLZ: 386 215 00 | Kto.-Nr.: 900011009

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