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Aktuelles - Zeitung und Kaffee

Weihnachtspost aus aller Welt

Weihnachtszeit ist die Zeit besonderer Briefe in der Steyler Missionsprokur.

Beinahe täglich sind in der Adventszeit in Sankt Augustin Karten und Rundschreiben aus aller Herren Länder eingetroffen.

Pater Michael Heinz SVD
19. Dezember 2014

Von: Markus Frädrich
 
Zum Christfest fassen die Missionare zusammen, wie sie das vergangene Jahr erlebt haben – und sagen Dank für die Unterstützung ihrer Arbeit. Auch im Namen all jener, denen durch die Großzügigkeit von Wohltätern aus Deutschland geholfen worden ist.

Bolivien
Während sich hierzulande das Weihnachtsfest mit einstelligen Temperaturen ankündigt, sendet Pater Michael Heinz „einen heißen Adventsgruß bei 32 Grad“ aus dem bolivianischen Cochabamba nach Sankt Augustin.

„Unsere Jugendlichen freuen sich besonders auf die Tage vor Heiligabend“, schreibt der Steyler Missionar. „Dann werden hier in vielen Dörfern Herbergssuchen durchgeführt. In kleinen Gruppen ziehen die Kinder durch das Dorf und halten bei einem vorher ausgewählten Haus an. Dort singt die Gruppe dann Lieder und bittet im Namen von Maria und Josef um Einlass.“

Pater Hugo ScheerBrasilien
Mancher Missionar nutzt seine Zeilen an die deutsche Missionsprokur für einen kurzen Rückblick auf die Highlights seines Jahres. Für Pater Hugo Scheer im brasilianischen Vitória gehörte die Fußball-Weltmeisterschaft dazu.

„Die Brasilianer haben – wie erwartet – alle Gäste mit offenen Armen und Herzen aufgenommen“, erinnert er sich.

„Aber sie haben auch ihrem Ärger Luft gemacht, dass Milliarden für Stadien ausgegeben worden sind, während der Zustand gesellschaftlicher Grundbedürfnisse wie Infrastruktur, Bildung und Gesundheit weiterhin zum Himmel schreit.“ Die deutsche Nationalmannschaft habe nicht nur auf dem Platz, sondern auch im Umgang mit der Bevölkerung eine gute Figur gemacht. „Bei aller Enttäuschung über die Niederlage der brasilianischen Mannschaft habe ich viele Glückwünsche bekommen“, schreibt Pater Scheer.

Bruder Norbert Ruf SVDTaiwan
Für Bruder Norbert Ruf in Taiwan zählte das chinesische Mondfest zu den Höhepunkten seines Jahres. „Wir haben es traditionell auf dem Dach des Missionshauses gefeiert“, berichtet er.

„Unser Koch war für den Grill zuständig, ein taiwanesischer Pater machte den Barkeeper und ich gab den DJ. Und der Mond war auch da, groß und hell.“


Pater Konrad Kebung freute sich in der Philosophisch-Theologische Hochschule in Ledalero über 18 Neupriester, die größtenteils Dienste für die Weltkirche übernehmen werden. „Dank sei Gott für dieses große Gnadengeschenk – und sicherlich gilt unser Dank auch allen Freunden und Wohltätern, die auf verschiedenste Weise unseren Dienst für die Ausbildung der jungen Priesterkandidaten, Ordenschristen und Missionare unterstützen.“

Ausdruck von Sorgen
Viele Briefautoren blicken in ihren Wirkungsländern mit Sorge auf die Entwicklung des Weltklimas. „In diesem Jahr hat es nur sehr wenig geregnet“, heißt es etwa aus Brasilien. „Viele Talsperren und Stauseen sind leer. In Sao Paulo wird das Trinkwasser rationiert. Brasilien muss sich auf hohe Strompreise einstellen, da die Wasserkraftwerke, die fast vollständig den Energiebedarf des Landes decken, nicht genug Strom erzeugen können.“

Indonesien
Alarmierend auch die Situation auf der indonesischen Insel Flores: „Wir leiden unter einer hartnäckigen Trockenheit, die Natur und Mensch sehr zu schaffen macht“, berichtet Pater Bernhard Müller. „Alles ist vertrocknet, die Reisfelder, die Kaffee- und Kakaoplantagen, die Bananenstauden. Viele Brunnen und Quellen sind versiegt. Die Landschaft macht einen farblosen, erschöpften Eindruck. Tankwagen schaffen Wasser aus den Bergen herbei. So extrem habe ich es all die Jahrzehnte hier noch nicht erlebt.“
 
2014: Ein Jahr auch mit traurigen Momenten in den rund 70 weltweiten Wirkungsländern der Steyler Missionare.
Pater Hugo Scheer geht der Tod von Maxuel nahe, einem Jungen, der in der „Vila de Nazaré“, einem Dorf für aidskranke Kinder und Jugendliche aufgewachsen ist. Maxuel ist vor einigen Wochen auf dem Busbahnhof von Vitória überfallen und niedergestochen worden. Er wurde nur zwanzig Jahre alt.
 
Pater Bernhard Müller berichtet von einem tragischen Unfall, der auf der indonesischen Insel Flores die traditionelle Bootsprozession am Karfreitag überschattet hat. „Ein vollbesetztes Boot ist von der Strömung erfasst worden und gekentert. Elf Menschen, darunter sieben Kinder im Alter zwischen 4 und 10 Jahren, und eine Ordensschwester sind ertrunken. Viele stammten aus meiner alten Pfarrei Waibalun. So standen dort am Karsamstag sechs Särge vor dem Altar.“
 
Bruder Paul Oden SVDChile
Bruder Paul Oden erinnert sich an das starke Erdbeben, das im chilenischen Norden viele Einrichtungen der Straßenkinder-Stiftung beschädigt hat, deren Gründer er ist.

Noch vor Weihnachten wollen wir mit dem Wiederaufbau unseres Zentrums für Neugeborene und unseres Kindergartens beginnen“, schreibt er. „Denkt daran und betet auch dafür, denn es ist ein Großprojekt für 178 Kinder.“

 
Indien
Der Steyler Erzbischof Leo Cornelio beklagt indes in Bhopal die zunehmende Kluft zwischen Armen und Reichen in Indien, die zunehmend Unruhen im Volk verursache. „Unser Engagement in der Mission verliert nie seine Gültigkeit“, schreibt er mit Blick auf das 50-jährige Bestehen der Erzdiözese.

„Wir verwirklichen unsere Mission nicht nur durch die traditionellen Dienste wie Gesundheitsfürsorge, Ausbildung, Aktivitäten zur gesellschaftlichen Entwicklung auf dem Land, sondern auch durch unsere Arbeit mit Straßenkindern, alten und verlassenen Menschen, Gefangenen und Aidskranken.“
 
Und so überwiegt in den Briefen der Missionare deren Freude über neue Projekte und Initiativen für Arme und Ausgegrenzte.

Pater Ulrich Schlecht SVDPhilippinen
Der Philippinen-Missionar Pater Ulrich Schlecht berichtet mit Stolz von einer neuen Schule in Upper Datung:

„Wo früher nur plattes Land war, steht jetzt ein großes Schulgebäude. Man sieht den Menschen an, dass sie jetzt Hoffnung haben, dass sie eine bessere Zukunft für ihre Kinder sehen. Die Verzweiflung ist weg. Das ist unsere Aufgabe: Menschen Leben und Hoffnung zu geben. Dafür wurde Christus ja auch geboren, und wir müssen seine Sendung fortsetzen.“
 
Bruder Valentin Grüner hat derweil Trinkwasserprojekte in den abgelegenen Bergdörfern auf den Weg gebracht.

„Man kann diese Dörfer nur in der Trockenzeit und mit Allradfahrzeugen erreichen, zweimal muss ein reißender Bach durchquert werden“, berichtet er aus der Provinz Abra im Norden der Philippinen. „Der Fahrweg – von Straße kann kaum die Rede sein – wurde erst kürzlich gebaut, riesige Schlaglöcher und Steilhänge erfordern Mut und Vertrauen.“
 
Rom
Pater Heinz Kulüke, der Generalsuperior der Steyler Missionare, hebt das Engagement des Ordens für die Opfer des Supertaifuns „Haiyan“ hervor:

„Mittlerweile konnten wir mit dem Entwicklungsbüro der Steyler Missionare neben den umfangreichen Soforthilfen für 25.000 Familien über 5.500 neue Unterkünfte bauen“, schreibt er.

„Auch nach dem neuen Taifun Ende dieses Jahres muss es weiter darum gehen, den von der Regierung vergessenen Kleinbauern und Fischern wieder Einkommen zu verschaffen, etwa, indem wir ihnen zu Booten, Saatgut und Kleinvieh verhelfen.“

Ein Blick in die Zukunft
Der Blick ist nach vorn gerichtet, in den Weihnachtsbriefen der Missionare. Auch 2015 wollen die Steyler ihren weltweiten Einsatz für jene fortsetzen, die am Rande der Gesellschaft stehen.

„Wir sind gemeinsam unterwegs, obwohl wir durch die Entfernung getrennt sind“, schreibt Pater Michael Heinz am Ende seines Briefes – und schließt damit alle Freunde und Wohltäter, die ihn unterstützen, in seine missionarische Sendung ein. „Für das bevorstehende Weihnachtsfest wünsche ich Ihnen viele gute Begegnungen“, fährt er fort. „Öffnen auch Sie dem Nächsten die Tür, damit die Liebe Gottes bei allen Menschen ankommt.“

Schwester Defensora SVDPost aus dem Himmel
Ein letzter, berührender Brief sticht aus der diesjährigen Weihnachtspost heraus. Ein Brief aus dem Himmel. „Ich habe eine neue Adresse erhalten“, schreibt Schwester Defensora nach Sankt Augustin. „Der Herr hat mich in sein Heim geholt.“

Die Steyler Ordensschwester war Ende November verstorben, hatte den Brief vor ihrem Tod aufgesetzt. „Jetzt bleibt nur noch, Ihnen allen von Herzen zu danken: Für Ihr Gebet, Ihre Opfer und Ihre tatkräftige Mithilfe. Alles hat dazu beigetragen, dass ich die Liebe Christi sichtbar und fühlbar machen konnte.“

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