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Vortrag „Armut in Deutschland“: Wege aus der Armutsfalle

Die Steyler treten weltweit gegen Armut an. Auch im wohlhabenden Deutschland klafft die Schere zwischen Arm und Reich zunehmend auseinander. Die Steyler Ethik Bank ging dem Phänomen der „Neuen Armut in Deutschland“ mit dem Armutsexperten Dr. Ulrich Schneider auf den Grund.

Armutsfalle - Schalter zwischen Arm und Reich
12. November 2014

Anlässlich des UN-Gedenktags „für die Beseitigung der Armut“ am 17. Oktober 2014 veranstalteten die Steyler Missionare eine „Themenwoche Armut“. Die Steyler Ethik Bank ergänzte die spannenden Themenbeiträge mit einer Vortragsveranstaltung am 11. November 2014 in Sankt Augustin.

„Gerade in Zeiten, in denen die Grenze zwischen Arm und Reich immer weniger geographisch bestimmt werden kann, richten auch die Steyler Institutionen ihren Blick auf die gesellschaftlichen Entwicklungen hier in Deutschland“, betonte Bankgeschäftsführer Norbert Wolf die Brisanz des Vortragsthemas.

Ein Experte für den Kampf gegen Armut
Mit Dr. Ulrich Schneider hatte die Steyler Ethik Bank den wohl wichtigsten Armutsexperten der Republik gewonnen. Der Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes überzeugte mit einem fulminanten, oft ergreifenden, aber auch mit Anekdoten gespickten Vortrag.

Bevor jedoch Dr. Schneider den Blick auf soziale Schieflagen in Deutschland richtete, brachte Bankgeschäftsführer Norbert Wolf die globale Perspektive des Themas zur Sprache. Er berichtete von seiner bevorstehenden Reise zu Steyler Hilfsprojekten in Indien. Anders als dort, müsse hierzulande niemand verhungern. Dennoch müsse man Armut in Deutschland ernst nehmen. Bei uns arm zu sein bedeute, nicht mehr in vollem Umfang am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können.

Wolf ging auch auf die Verantwortung der Steyler Ethik Bank ein. Als ethische Bank berate man zum Beispiel die Kunden fair und ganzheitlich zur Altersvorsorge, und helfe so, Altersarmut zu vermeiden. Verantwortlich zu handeln könne aber auch bedeuten, einem Kunden im Zweifel keinen Kredit zu gewähren, damit dieser sich nicht überschuldet.

Dass Ulrich Schneider nicht nur fachlich, sondern auch menschlich der richtige Referent für diesen Abend war, wurde gleich zu Beginn seines Vortrags deutlich. Für ihn war der Weg von Berlin nach Sankt Augustin auch eine Reise zurück in die Kindheit. Er erzählte, wie er als Pfadfinder und Messdiener spannende Freizeiten und erfüllte Ostertage im Steyler Kloster verbachte. Für seine Mutter sammelte er Tausende von Marken für das Briefmarkenapostolat der Steyler Missionare.

15 Prozent von Armut bedroht
Nach dem Rückblick folgte der Überblick: 15 Prozent der Bevölkerung sind von Armut bedroht, obwohl Deutschland so reich ist wie noch nie. Während in Brennpunkten wie Bremen, dem Ruhrgebiet oder zahlreichen Gebieten in Ostdeutschland die Armutsrate über 20 Prozent liege, sei Baden-Württemberg mit sieben Prozent das gesündeste Bundesland. Schneider sprach von einer Verhärtung der Armut und einer damit einhergehenden Perspektivlosigkeit. Wer im Ruhrgebiet arm ist, wird es lange bleiben, sagte der gebürtige Oberhausener.

Als Sohn eines Bierfahrers, der zusätzlich nachts als Wach- und Schließmann arbeitete, kennt Schneider die sogenannten kleinen Verhältnisse. Schmunzelnd gestand Schneider ein, als Student selbst statistisch betrachtet arm gewesen zu sein. Nur hatte er durch seine gute Ausbildung eine Perspektive.

„Aber die damalige Mein-Kind-wird-es-einmal-besser-haben-Mentalität gibt es heute nicht mehr. Eher wächst gerade bei alleinerziehenden Eltern die Gewöhnung an die Dauerarmut“, warnte der Referent.

Arbeitslos - und was dann?
Wie sollen Kinder eine Arbeitswelt als normal erkennen, wenn in Vierteln wie Neukölln oder Chorweiler kaum noch jemand morgens zu Arbeit geht?, fragte Schneider. „Hier
werden Millionen Menschen von der Leistungsgesellschaft abgekoppelt, ausgegrenzt, sind auf Dauer nicht mehr integrierbar.“ Schneider warnte daher eindrücklich vor einer derartigen Spaltung unserer eigentlich solidarischen Bürgergesellschaft.

Den Ethos der Arbeit stärken, war ein Anliegen des Referenten. Arbeit ist für ihn mehr als Einkommen, ist Status, schafft Selbstwertgefühl und Identität.

Sein Weltbild leite sich stark aus der katholischen Soziallehre ab. Daher halte er es eher mit der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens als mit Hartz IV. Er wies darauf hin, dass die Hartz-IV-Reformen den Menschen bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess helfen sollten. Dennoch würden heute noch genauso viele Menschen Hartz IV beziehen wie vor zehn Jahren. Der direkte Weg in die Armutsfalle.

Schneiders Vision
Der morgige Tag muss zwingend besser sein als der heutige. Dafür scheut er auch vor „Umfairteilung“ nicht zurück. Denn Deutschland ist theoretisch gut ausbilanziert. Schneider rechnet vor: der Armut stehen 5 Billionen Euro auf privaten Konten gegenüber, nie war die Sparrate in Deutschland so hoch.

Schneider scheut nicht vor starken Worten zurück. „Deutschland stinkt vor Geld“, ist eines dieser Postulate. Statistisch müsste jeder Bundesbürger 270.000 Euro auf dem Konto haben. Das ist die Statistik, die Realität sieht anders aus: Einige Wenige haben 50 % des Kapitals, die 10 % der Ärmsten haben 7.500 Euro. Aber Miese. Der wackere Kämpfer für eine gerechtere Gesellschaft wurde mit großem Applaus verabschiedet.

Die Steyler Ethik Bank kämpft weiter
Die Steyler Bank und ihre Kunden tragen seit jeher dazu bei, die Welt ein wenig gerechter zu machen. Sie tun dies, indem sie bei der Geldanlage ihre Wertvorstellungen nicht der maximalen Rendite opfern, sondern auf Nachhaltigkeit setzen. Und sie tun dies, indem sie die soziale und seelsorgerische Arbeit der Steyler Missionare durch Zinsabtretungen und Spenden unterstützen – auch die Gewinne der Bank dienen diesem Zweck.

Der Einsatz gegen die weltweite Armut wird der Hauptfokus bleiben, aber auch die sozialen Schieflagen in Deutschland werden künftig stärker zum Thema. Der spannende Vortragsabend war hier nur ein Anfang.

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