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Von der Ballung in die Verstreuung - ein Steyler Missionar in Dresden

Dresden / Deutschland - Nur knapp 500 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Deutschlands katholikenreichsten und dem katholikenärmsten Bistum.

Pater Slawomir Rakus SVD
03. April 2014

Von: Severina Bartonitschek

Aber es ist nicht nur die Anzahl der Gläubigen, die das Erzbistum Köln und das Bistum Dresden-Meißen unterscheidet. Die Kölnerin Severina Bartonitschek hat den Steyler Missionar Pater Slawomir Rakus einen Tag in der Diaspora begleitet.

Es ist schon dunkel als wir in Löbtau ankommen. Auf dem Weg zum Pfarrhaus zeigt der Steyler Pater, der mich zu meiner Unterkunft bringt, plötzlich nach rechts: „Da, da ist unsere Kirche.“ Ich schaue aus dem Fenster, suche mit den Augen die Gebäude ab, kann aber nichts erkennen, was an ein Gotteshaus erinnert.

Erst am nächsten Morgen sehe ich, welches Gebäude der Pater gemeint hat: Mit seiner roten Fassade und dem spitzen, grau gedeckten Dach mit Solarzellen erinnert St. Antonius im ersten Moment eher an eine alte Schule als an eine Kirche.

St. Antonius in DresdenSteyler Missionare in Dresden
Wir sind in Dresden, in dem Bistum mit der geringsten Dichte von Katholiken in ganz Deutschland. Gerade einmal vier bis fünf Prozent der Bevölkerung sind im Bistum Dresden-Meißen katholisch. Zum Vergleich: Im Erzbistum Köln sind es rund 40 Prozent.

Drei Steyler Patres arbeiten hier – in zwei Pfarreien in verschiedenen Stadtteilen. Einer von ihnen ist Pater Slawomir Rakus, der leitende Pfarrer von Heilig Geist in Dresden Löbtau. Er zeigt mir heute nicht nur die für mich ungewöhnlichen Kirchen, sondern erzählt mir vor allem von seiner Arbeit in der Diaspora.

Nur äußerlich eine Diaspora
Weiße Wände ohne viel Kitsch und Prunk, ein heller Steinaltar mit einem schwebenden Kreuz darüber, kleine Bögen geben die Sicht zu den Fenstern frei und auf der Empore erhebt sich eine Orgel. Ich merke, wie sehr ich mich von außen habe blenden lassen – von innen ist St. Antonius eine moderne, katholische Kirche.

Nach der Besichtigung, geht’s mit dem Auto weiter zu der zweiten Gemeinde, die Pater Rakus betreut: St. Joachim in Freital. Auf der Fahrt habe ich endlich die Möglichkeit, alle meine Fragen loszuwerden, denn St. Joachim liegt rund 20 Autominuten entfernt.

„Ganz normal“, erklärt mir der schlanke Pater mit den kurzen, braunen Haaren und der randlosen, runden Brille. „Das bedeutet ja Diaspora – die Katholiken leben hier weit verstreut.“ Der gebürtige Pole kam erst im vergangenen Sommer in die sächsische Landeshauptstadt, nachdem er über ein Jahrzehnt am Niederrhein gearbeitet hat.

St. Joachim in DresdenOb es nicht merkwürdig ist, ein ganzes Leben lang von Katholiken umgeben zu sein und dann plötzlich an einem Ort zu landen, an dem man sie eher suchen muss, frage ich ihn. „Nein, das ist genau das, was ich wollte“, erklärt mir der Pater. „Gerade in Regionen, in denen viele Katholiken leben, herrscht oft eine innere Diaspora – die Menschen sind zwar auf dem Blatt katholisch, aber gelebt wird der Glaube nur selten. Hier ist es genau andersherum.“

„Als Minderheit muss man doch zusammenhalten!“
Viel intensiver und engagierter würden die Katholiken hier leben, erzählt er weiter. „Sie legen Wert darauf sonntags in die Kirche zu gehen und sobald es etwas zu tun gibt, packen sie selbstverständlich mit an – hier wird das Wort ‚Gemeinde‘ bewusst gelebt.“

Mittlerweile sind wir in Freital angekommen. Als wir aus dem Auto steigen, kommen einige Gemeindemitglieder direkt auf uns zu und beginnen ein Gespräch. Obwohl der Pater noch nicht lange hier ist, herrscht bereits große Vertrautheit. „Ich wurde hier sofort großartig aufgenommen, habe viele Ratschläge und Tipps bekommen – die Hilfsbereitschaft ist riesig.“ Ungewöhnlich: Um den Kirchenraum betreten zu können, müssen wir in den ersten Stock.

Dabei erzählt mir Pater Rakus: „Es sind nicht nur die Katholiken, zu denen sofort ein besonderes Verhältnis bestand. Die evangelische Pfarrerin kam direkt auf mich zu und bat mich, die Predigt am Reformationstag zu halten – das hat mich überrascht. Aber hier ist eine engere Zusammenarbeit ganz normal, es gibt viele gemischte Ehen, viele Protestanten besuchen mit ihren Partnern auch katholische Gottesdienste. Das Klima ist beherrscht von gegenseitigen Respekt und vielen gemeinsamen Projekten.“ Also Ökumene wie sie im Buche steht? „Genau das“, lacht er. „Als Minderheit muss man doch zusammenhalten!“

Es wächst…
Inzwischen stehen wir in der Kirche St. Joachim – ein Raum in dem großen Gebäude. Die Fenster so bunt wie das Mobiliar – im übertragenen Sinne: „Hier ist alles arg zusammengewürfelt, jeder Pfarrer, der bisher hier war, hat seinen Fingerabdruck hinterlassen. Da werde ich wohl auch noch ranmüssen“, erzählt Pater Rakus, als er lächelnd den Raum betrachtet. Ich spüre, dass er sich wohlfühlt – hier in Dresden.

Aber eine Frage habe ich noch, schließlich ist der Pater Missionar und sein Orden hat sich in Deutschland die Neuevangelisierung auf die Fahnen geschrieben: Funktioniert das hier? „Ich hatte hier schon einige Taufbewerber. Gerade in Dresden sind es oft schon Erwachsene, die sich ganz bewusst für die Katholische Kirche entscheiden“, erzählt mir Rakus.

„Das Spannende ist, dass sie den Glauben und die Rituale, die wir Katholiken haben, immer wieder neu hinterfragen. Viele Dinge, die für mich selbstverständlich sind, muss auch ich wieder neu in Frage stellen, das macht diese Aufgabe besonders bewegend.“ Und steigt die Anzahl der Katholiken? „Ja, ich spüre, dass es wächst und auch ich wachse daran.“

Wir fahren zurück nach Löbtau, auch diesmal sehe ich die Kirche St. Antonius – das große rote Haus ist mir nicht mehr fremd. Hier geht es eben nicht um Äußerlichkeiten, sondern darum wie man Kirche im eigenen Inneren lebt – das habe ich an diesem Tag in der ‚Diaspora‘ gelernt.

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