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Unerwarteter Beifall für den Negativzins

„Jetzt reicht’s aber!“ Das werden viele beim Lesen der Überschrift „Mehr Strafzinsen auf Bankkonten, bitte!“ im Nachrichtenmagazin Spiegel Online gedacht haben. Denn welcher Bankkunde will schon Geld dafür zahlen, dass er sein Erspartes auf einem Tagesgeldkonto parkt. Besonders pikant an der Forderung ist: Sie stammt ausgerechnet vom Chefredakteur der Zeitschrift Finanztest, also einem der prominentesten Verbraucherschützer Deutschlands.

 

Norbert Wolf, Geschäftsführer der Steyler Ethik Bank, skizziert im Interview, warum ihn der unerwartete Beifall für den Negativzins gar nicht so sehr überrascht.

Sparbücher und Geldscheine mit Zettel "Finger weg!"

 

"Strafzinsen als Weckruf"

Interview mit Norbert Wolf, Geschäftsführer der Steyler Ethik Bank

 

Herr Wolf, sind Sie auch ein Fan des Negativzinses, so wie Hermann-Josef Tenhagen, der Chefredakteur der Finanztest?

Nein, ein Fan des Negativzinses bin ich nicht und werde es auch nie werden. Denn die aktuelle Zinspolitik der Notenbanken bestraft solide wirtschaftende Privatpersonen und verleitet hoch verschuldete Staaten, noch mehr Schulden zu machen. Aber ich kann trotzdem gut nachvollziehen, wie Herr Tenhagen zu seiner Aussage kommt.

 

Was steckt also hinter der Forderung, mehr Sparguthaben mit einem negativen Zins zu belasten?

Herrn Tenhagen stört, dass die Bundesbürger zu viel Sparen und zu wenig Investieren. Weil sie Wertpapieren misstrauen, verzichten viele Deutsche auf Renditechancen und schmälern so ihre Altersvorsorge. Das war übrigens auch schon zu Zeiten so, als es noch 4 Prozent oder mehr aufs Tagesgeld gab. Denn meist wurden die schönen Zinserträge von der Inflation komplett aufgefressen oder sogar ins Minus gedreht. Der Negativzins ist so betrachtet eher ein Weckruf als eine Zeitenwende. Das liegt an seiner starken Symbolkraft.

 

0,4 Prozent Zinsen verlangt die Europäische Zentralbank von den Instituten, die Geld bei ihr parken. Die Banken zahlen bei vielen Spareinlagen also drauf. Warum wagt bisher kaum eine Bank, diese Kosten an die Kunden weiterzureichen?

 

Eben wegen dieser starken Signalwirkung. Dahinter steht auch die Sorge der Banken, dass derjenige verliert, der den ersten Schritt macht.

 

Welche Entwicklungen erwarten Sie für die weitere Zukunft?

 

Wenn die Zinspolitik der Notenbanken anhält, erwarte ich, dass alle Banken in Deutschland in spätestens einem Jahr reagieren. Ich bin mir sicher, dass dann der Negativzins für Privatkunden auf breiter Front kommen wird.

 

Plant denn die Steyler Ethik Bank, Negativzinsen auf Sparguthaben einzuführen? Wir werden sicher nicht leichtfertig vorpreschen, allein schon, weil wir zuallererst Anwalt unserer Kunden sind. Wie alle Banken müssen wir aber solide wirtschaften und machen uns Gedanken, wie das in dieser Konstellation am besten zu bewerkstelligen ist. Denn das klassische Bankgeschäft wird durch den Negativzins ausgehebelt. Bei uns hat das Thema aber noch eine weitere Dimension. Wir sind die älteste ethische Bank Deutschlands und unterstützen mit unseren Erträgen weltweite Hilfsprojekte. Auch den armen und benachteiligten Menschen, die von den Steyler Projekten profitieren, fühle ich mich verpflichtet.

 

Was heißt das konkret?

 

Wir machen das, was wir immer gemacht haben: Wir bieten unseren Kunden eine gute, kompetente, ganzheitliche Beratung. Dazu gehört eben auch, darauf hinzuweisen, dass eine gute Vermögensplanung nicht nur auf klassische Sparprodukte setzen kann. Es gibt viele andere Möglichkeiten, Vermögen aufzubauen und die Altersvorsorge sicherzustellen.

 

Welche wären das?

Zum Beispiel Wertpapierdepots oder eine fondsgebundene Vermögensverwaltung. Für viele klassische Sparer wäre das eine gute Alternative. Denn die Vergangenheit hat gezeigt, dass Wertpapiere bei einer mittel- bis langfristigen Anlage deutlich mehr Erträge bringen als Sparbuch und Co. Das ist keine Garantie für die künftige Entwicklung, aber ein deutliches Zeichen, dass es sich hier nicht um Glücksspiel handelt. In diesem Punkt sind sich Herr Tenhagen und ich sicher einig.

 

Also raten Sie zum Gang an die Börse?

 

Nein, ich rate dazu, sich umfassend zu den Chancen und Risiken von Wertpapieren beraten zu lassen und dann eine fundierte Entscheidung zu treffen.

 

Und wie können die Steyler Ethik Bank und ihre Kunden weiter Menschen in Not helfen?

 

Zinsspenden hatten immer einen großen Anteil an unserem Beitrag für Steyler Hilfsprojekte. Wenn es aber keine Zinsen mehr gibt, brechen auch die Zinsspenden weg. Unsere Kunden haben über 50 Jahre mit Herzblut und Großzügigkeit arme Menschen unterstützt. Wir werden ihnen Angebote machen, wie sie das auch weiter machen können. Dazu wollen wir noch in diesem Herbst in Dialog mit unseren Kunden treten. Denn wir möchten wissen, wie sie darüber denken.

 

Den Online-Artikel "Mehr Strafzinsen auf Bankkonten, bitte!"/Spiegel Online finden Sie hier.


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