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„Jeder Mensch ist heilig“

10 Jahre Heiligsprechung von Arnold Janssen

Heiligsprechung von Arnold Janssen in Rom
01. Oktober 2013

Arnold Janssen, Gründer der Steyler Missionare, wurde am 5. Oktober vor genau 10 Jahren heiliggesprochen. Hat sich dadurch etwas verändert? Sind Heiligsprechungen überhaupt noch zeitgemäß? Darüber sprechen drei Menschen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen.

Stirbt ein Mensch, verblassen die Erinnerungen schnell. Freunde, die ihm nahestanden und Verwandte erhalten sein Andenken in Fotos und prägenden Erlebnissen. Die Umwelt hingegen nimmt nur kurz Notiz. Dass ein Mensch durch oder nach seinem Tod noch etwas bewegt, ist selten, dass er Wunder vollbringt, gar Menschen heilt, scheint unmöglich.

In der Katholischen Kirche gibt es den Glauben an Wunder nach dem Tod – hat sich ein Mensch besonders verdient gemacht und können seine Verehrer zwei Wunder, die auf seine Fürsprache durch Gott vollbracht wurden, nachweisen, rückt eine Heiligsprechung in greifbare Nähe.



Aber rechtfertigt der Aufwand eines Heiligsprechungsprozesses letztlich das Ergebnis? Ist es im Endeffekt nicht einfach nur ein Titel?

Christa Canoy, Pensionärin aus Tegelen:
Mitnichten, findet Christa Canoy. Sie glaubt fest daran, dass ihr die Heiligsprechung von Arnold Janssen geholfen hat: Persönlich, vor allem gesundheitlich. Vor einigen Jahren erkrankte sie, das Laufen fiel ihr schwer. Als sie in einem Gottesdienst im Missionshaus St. Michaël in Steyl nah dem Sarkophag des Arnold Janssen stand, fasste sie sich ein Herz: „Ich sprach ihn persönlich an. Als Heiliger sollte er mich hören können, hab ich mir gedacht“ Sie bat um Genesung und wurde wieder gesund. „Die Aufforderung war eigentlich eine Trotzreaktion, weil mir einfach keiner helfen konnte. Ich dachte, das ist meine letzte Chance.“

Anfangs wollte sie niemandem von diesem Erlebnis erzählen, ihr erschien die Heilung zu komisch. Mittlerweile spricht sie gerne darüber und besucht mindestens einmal in der Woche Steyl und stellt eine Kerze am Grab von Arnold Janssen auf: „Ich möchte einfach meine Dankbarkeit zeigen - das bin ich ihm schuldig.“

Jan Euwals, ehrenamtlicher Mitarbeiter im Steyler Missionsmuseum
Während Christa bei ihren Besuchen oft liebevoll über den Sarkophag streicht, tritt Jan Euwals auch mal dagegen: „Natürlich nicht zu fest, aber auch ein Heiliger braucht manchmal einen kleinen Schubser in die richtige Richtung“, schmunzelt er. „Aber meistens klopfe ich einfach mal an und spreche mit ihm.“ Euwals arbeitet seit 25 Jahren ehrenamtlich im Missionsmuseum in Steyl - die Missionare und Arnold Janssen sind ein fester Bestandteil in seinem Leben. In dem Klosterdorf, in dem er auch wohnt, trifft er jedes Jahr hunderte von Menschen, die zum Grab des Arnold Janssen pilgern, die sich Unterstützung für ihre Bitten und Wünsche von dem Heiligen erhoffen.

Der Niederländer Jan Euwals hat trotzdem eine differenzierte Meinung zum Thema Heiligkeit: „Ich freue mich, wenn sich Menschen Kraft durch Heilige holen. Ich glaube aber, dass es nicht so sehr darauf ankommt, ob ein Mensch von der Kirche heiliggesprochen wurde. Jeder, egal ob Putzfrau, Verkäufer oder Priester tut etwas Gutes für seine Umgebung, macht die Welt ein bisschen besser – das ist für mich der Inbegriff der Heiligkeit, jeder Mensch ist heilig.“

Markus van Berlo, Pastoralreferent aus Goch
Auch Markus van Berlo bemüht sich stetig, die Welt im Kleinen zu verbessern. Dass er trotz ständiger Widerstände und Widrigkeiten nicht aufgibt, verdanke der Pastoralreferent aus Goch auch dem Vorbild des Arnold Janssen, meint er: „Er hat immer an seinem Anliegen, sich an dem katholischen Missionswerk zu beteiligen, festgehalten, auch wenn es schwierig wurde, hat er nicht aufgegeben und es schließlich geschafft – daran kann ich mich auch heute noch orientieren“, erklärt van Berlo.

Er selbst lernte Arnold Janssen durch seine zahlreichen Wallfahrten nach Steyl kennen. Seit 30 Jahren hat ihn die Faszination, die von dem Orden und seinem Gründer ausgeht, nicht mehr losgelassen. Durch die Heiligsprechung vor zehn Jahren habe sich für ihn persönlich aber nichts geändert: „Ob Arnold Janssen vorher seliger war oder jetzt heiliger ist, macht für mich keinen Unterschied. Ich glaube aber, dass es grundsätzlich ganz wichtig ist, dass immer wieder Menschen heiliggesprochen werden. Allerdings nicht mit der Aussage ‚Das ist der Einzige, der alles richtig gemacht hat‘, sondern als Beispiel wie Glaube heute gelebt werden kann.“


Arnold Janssen verstarb 1909 in Steyl. Ohne sein Missionswerk und die vielen Ordensmänner und Ordensfrauen, die seine Idee unermüdlich in die Welt trugen, würde keiner mehr von dem Niederrheiner Notiz nehmen.

Bis heute tragen die über 10.000 Ordensangehörigen dazu bei, dass sein Anliegen nicht in Vergessenheit gerät und sich seine Ideen stetig weiterentwickelt. Die Heiligsprechung kann nur eine Bestätigung für den richtigen Weg sein – eine Bestätigung, die auch zehn Jahre später noch motiviert, weiterzumachen.

 
Arnold Janssen wurde am 5. November 1837 als Sohn eines Fuhrmanns in Goch am Niederrhein geboren – die alljährliche Wohnmobilwallfahrt zum Geburtsort des Heiligen erinnert noch heute an diese Wurzeln. Am 8. September 1875 gründete er das erste deutsche Missionshaus im niederländischen Steyl an der Maas.

Aufgrund des in Deutschland wütenden Kulturkampfes war eine Gründung auf deutschem Boden nicht möglich. Vier Jahre später schickte er bereits die ersten Missionare nach China – darunter auch den mit ihm heiliggesprochenen Josef Freinademetz. 1909 starb Arnold Janssen in Steyl – er selbst war nie auf Mission.


Heute gehören zu dem siebtgrößten katholischen Männerorden weltweit rund 6000 Mitbrüder in über 70 Ländern. Die Steyler Missionsschwestern und die Steyler Anbetungsschwestern vervollständigen die Ordensfamilie.

Durch die Heiligsprechung ist eine Verehrung von Arnold Janssen weltweit möglich geworden. Nach einem kirchlichen Prozess über mehrere Instanzen, der über viele Jahre andauerte, bestätigte Papst Johannes Paul II. mit der Heiligsprechung das vorbildlich christliche Leben und erklärt damit die feste Überzeugung der Kirche, dass Janssen bereits endgültig bei Gott ist.

Knapp 7000 Heilige und Selige zählt die katholische Kirche heute. Neben dem heiligen Janssen und dem heiligen Freinademetz, sind die Mitbegründerinnen der Steyler Missionsschwestern Helena Stollenwerk und Hendrina Stenmanns seliggesprochen, vier Steyler Missionare als Märtyrer des NS-Regimes ebenfalls.



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