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„Jede Sekunde zählt“

Ein Interview mit Pater Kulüke

Pater Kulüke, Generalsuperior der Steyler Missionare
14. November 2013

Von: Markus Frädrich

Pater Heinz Kulüke ist der Generalsuperior der Steyler Missionare. Viele Jahre wirkte der Emsländer als Missionar auf den Philippinen, wo er vor allem für seinen Einsatz für die Menschen auf den Mülldeponien der philippinischen Großstadt Cebu-City bekannt wurde.

Unter anderem war er Provinzial der philippinischen Südprovinz – jener Provinz, in der aktuell die Hilfsmaßnahmen der Steyler für die Taifunopfer koordiniert werden. Ein Interview zur Situation vor Ort.

Pater Kulüke, wie ist die Lage im Krisengebiet auf den Philippinen?

Das Krisenteam der Steyler Missionare vor Ort arbeitet hart. Noch nie in der Geschichte des Landes hat sich ein Unglück von solcher Stärke ereignet. Aber unsere Missionare vor Ort lassen sich nicht entmutigen und setzen alle Hebel in Bewegung, die ihnen zur Verfügung stehen.

Ihre Bemühungen konzentrieren sich auf Soforthilfe in den Gebieten West-Leyte, Nord-Cebu und auf der Insel Bantayan, wo der Taifun am schlimmsten gewütet hat. Unser Krisenteam setzt sich dafür ein, dass Hilfsgüter jene Menschen zuerst erreichen, die am dringendsten Hilfe benötigen.

Welche einzelnen Schritte hat das Krisenteam konkret unternommen?

Die Taifun-Opfer sind zunächst vor Ort auf den Empfang von Hilfsgütern vorbereitet worden. Unsere Mitarbeiter waren dazu im Katastrophengebiet unterwegs, um sich ein genaues Bild von der Lage zu machen und Informationen zusammenzutragen. Weil noch immer alle Kommunikationskanäle zusammengebrochen sind, gab es nur diese Möglichkeit, um sich eine Vorstellung von der konkreten Situation und von den Nöten der Menschen zu machen.

Unsere Steyler Universität San Carlos in Cebu hat alle ihre Busse und Lastwagen zur Verfügung stellt. Auch die Aboitiz Company, eine Schifffahrtsgesellschaft, steht für den Transport von Hilfsgütern auf die Inseln Leyte und Bantanyan bereit. Wir haben bereits Hilfsgüter im Wert von 5 Millionen Pesos zusammengetragen, das sind umgerechnet etwa 17.000 Euro. Es handelt sich dabei um Dinge, die zum Überleben wichtig sind. Alles ist bereits an Notleidende verteilt worden.

Was brauchen Sie, um ihre Hilfe fortsetzen zu können?

Wir sind dringend auf Spenden angewiesen, um den Menschen weiter helfen zu können. Jede Sekunde zählt. Unser Krisenteam, unser Personal und die freiwilligen Helfer vor Ort sind aber auch auf unsere moralische Unterstützung und auf unser Gebet angewiesen. Sie alle sind Zeugen davon, wie sich im Katastrophengebiet Krankheiten verbreiten, und der unerträgliche Geruch des Todes überall ausbreitet. Die Hungernden sind verzweifelt und kämpfen ums Überleben. Es ist eine große Herausforderung, in dieser Situation Hilfsgüter zu verteilen.

Wie ist die Lage in der Küstenstadt Tacloban, wo der Taifun am schlimmsten gewütet hat?

Das Krankenhaus der Steyler Missionare ist das einzige in Tacloban, das noch Patienten versorgen kann. Aber es hat kaum noch Medikamente. Die Schule der Steyler steht noch, sie wurde zu einem Koordinationszentrum für die Hilfsmaßnahmen umfunktioniert. Weil Wind und Wasser alle Fahrzeuge vor Ort zerstört haben, sind Fahrzeuge von Cebu nach Tacloban gebracht worden.

Leider hat der Taifun die Radiostation der Steyler in Tacloban irreparabel beschädigt. Sie hätten während der Soforthilfeoperationen eine wichtige Rolle spielen können. Wir hätten den Menschen gerne versichert, dass Hilfe auf dem Weg ist, und sie dazu aufgerufen, ruhig zu bleiben.

Parallel zur Hilfe im Taifungebiet kümmern sich die Steyler auf der Insel Bohol um die Schäden, die ein schweres Erdbeben vor einigen Wochen angerichtet hat…

Richtig. Wir dürfen bei allem die Insel Bohol nicht vergessen! Die Insel ist am 15. Oktober erst von einem Erdbeben der Stärke 7,2 heimgesucht worden. Vergangene Woche ist auf der Insel Cholera ausgebrochen. Inzwischen ist die Situation wieder unter Kontrolle. Die Menschen sind mit Aufräumarbeiten beschäftigt und bauen ihre Häuser mit den wenigen Dingen auf, die sie haben.

Hier haben die Hilfsmaßnahmen der Steyler Missionare inzwischen ihre zweite Phase erreicht. Dafür brauchen wir finanzielle Hilfe, um Häuser und Unterkünfte für die Menschen wieder aufzubauen. Außerdem wollen wir ihnen dabei helfen, dass sie sich wieder einen Lebensunterhalt verdienen können.


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