suchen
drucken
 
Aktuelles - Zeitung und Kaffee

Die Bibel - eine starke Botschaft

Wie wir uns mit der Bibel selbst entdecken können

Pater Thomas Heck SVD
15. Januar 2014 

Für Pater Thomas Heck SVD ist dieses Buch, das in manchen Teilen mehr als 3.000 Jahre alt ist, der Kompass für sein Leben.

Jede Minute seiner freien Zeit widmet er sich den Texten, die für ihn auch in unserer Gesellschaft nichts an Aktualität eingebüßt haben. Was aber ist denn so besonders an diesem alten Buch?



 
Sie beschäftigen sich seit 30 und mehr Jahren mit einem Buch, das viele tausend Jahre alt ist. Ist man damit nicht irgendwann einmal durch?

Nein, überhaupt nicht. Die Bibel beherbergt einen unheimlichen Schatz an menschlicher Erfahrung und der ist zeitlos. Dieser Schatz gilt für alle Menschen - auch für uns heute, obwohl sich die Welt so unglaublich gewandelt hat.

Obwohl unsere Kommunikationsmittel ganz andere sind, unsere Zeitplanung anders ist und sich unsere Arbeitswelt völlig gewandelt hat. Doch diese Geschichten in der Bibel  behalten auf interessante Weise ihre Gültigkeit – und das für die unterschiedlichsten Lebenslagen. Deshalb ist man nie durch mit ihr.
 
Menschen von heute, finden etwas für sich in diesem alten Buch? Wie können die Probleme von damals die gleichen sein wie heute?

Selbst die Menschen in 200 Jahren werden noch ihren Sinn in dieser Heiligen Schrift finden und ihren Zuspruch, weil wir Menschen, so modern wir uns auch manchmal denken, so modern doch gar nicht sind.

Natürlich sind unsere äußeren Möglichkeiten so unglaublich groß im Gegensatz zu dem, was wir vor 100 oder 200 Jahren kannten, aber letztlich im Menschlichen, im Eigentlichen – nämlich der Frage nach dem Sinn – haben sich die Menschen nicht geändert.

Die Frage: „Wie gehe ich mit Leid um? Wie ertrage ich eine schmerzliche Situation?“, sie wird uns Menschen, solange wir existieren, begleiten. Und genau da setzten die Fragen und auch die Antwortversuche der Menschen in der Bibel an.
 
Kann ich die Antworten auf meine Fragen denn ganz allein aus dem Lesen der Texte finden?

Ja, bestimmt. Ich bin sehr für eine spirituelle und eine subjektive Bibelauslegung. Also, die Bibel ganz persönlich aus meiner aktuellen Situation im Moment zu lesen.

Das Ziel ist nicht, allgemeingültige, möglichst objektive Erkenntnisse daraus zu gewinnen, sondern für jetzt eine Antwort zu finden, die für mich gültig ist und die mich leben lässt. Eine Erkenntnis, die mir Zuspruch gibt und Stärkung für meinen Lebensweg. Und das kann für jemand anders eine ganz andere Antwort sein, als für mich.

Ich arbeite gerne auch mit den Methoden des Bibliologs und des Bibliodramas, die dazu einladen, sich in die Dynamik eines Bibeltextes hineinzustellen. Dann kann es geschehen, dass ich eine mich unbedingt angehende Botschaft empfange, die mir für meine persönliche Situation etwas Entscheidendes sagt.
 
Aber wie kann ich ein Buch ernst nehmen, in dem von einem Paradies die Rede ist, obwohl die Wissenschaft längst geklärt hat, wie die Erde entstanden ist?

Die Schöpfungsgeschichte stimmt nicht und sie stimmt doch. Ich versuche es einmal so zu erklären: Als die Schöpfungsgeschichte aufgeschrieben wurde, haben die Menschen damals die wichtigsten Fragen ihres Lebens – entsprechend ihres Weltbildes – in diese Geschichte hineingepackt.

Wenn wir sie heute als wissenschaftlichen Bericht lesen und sagen „Das stimmt ja gar nicht!“ und dann die Bibel ablehnen, dann tun wir dieser Geschichte Unrecht. Denn sie ist kein Wissenschaftsbericht, sondern es liegt eine viel tiefere Wahrheit über die Menschen und das Leben selbst darin.

Zum Beispiel die Frage: „Woher kommt überhaupt der Mensch? und: Wie kommt es dazu, dass wir auf diesem Planeten, auf dieser Erde leben? und: Was ist eigentlich der Sinn?“. Die Antworten aus diesem Schöpfungsbericht in der Bibel heißen: Ich lebe, weil Gott mich gewollt hat! Weil Gott mein Leben bewusst geplant hat und weil er mir den Lebensatem einbläst.
 
Die alte Sprache ist aber keine ganz einfache Kost und dann ist da immer die Frage, wie wörtlich muss ich das alles nehmen?

Ja, die Bibel wortwörtlich auszulegen, das ist eine Gefahr. Und zwar die Gefahr, sie in einer Deutung als unumstößlich hinzunehmen, einfach weil es die „Heilige Schrift“ ist, und heilig heißt: „zu Gott gehörig.“

Aber man muss die alten Redeweisen berücksichtigen und kulturelle Zusammenhänge richtig einordnen. Das muss man lernen. Wenn ich das nicht tue, dann ist das so, wie wenn ich in ein fremdes Land reise und meine, ich könnte mit den Menschen dort so umgehen, wie zuhause.

Die fühlen sich dann aber vielleicht brüskiert oder es wird furchtbar peinlich, weil die Menschen das, was ich tue, ganz anders verstehen. Ebenso verstehe ich sie nicht, weil ich ihre Gesten und ihre Sprache nicht zu deuten weiß.
 
Dennoch ist es sicherlich schwierig, Menschen für die Bibel zu begeistern. Sie hat in der großen Öffentlichkeit nicht unbedingt den Ruf besonders spannend zu sein. Wohl eher uncool!

Die Bibel ist ein historischer und wunderbarer Schatz der Menschheitsgeschichte. Ganz ehrlich: Wenn Menschen sich so viel Mühe mit der Überlieferung der Bibel gemacht haben, dann sollte ich mir auch ein bisschen Mühe machen und dieses Buch nicht beim ersten Lesen weglegen und sagen „ist uncool“.

Ich könnte auch sagen: „Da muss etwas Wichtigeres dahinterstecken, und ich will es jetzt einmal entdecken. Ich will es drauf ankommen lassen.“ Und dann wird man schon entdecken, dass da wirklich etwas Tolles dahinter ist. Ich würde empfehlen, die Bibel gemeinsam mit anderen zu lesen.

Erstens macht es viel mehr Spaß und zweitens entdeckt man sehr viel mehr, weil die eigene Perspektive ja immer begrenzt ist. Wenn ich von anderen ihre Meinung höre, dann bereichert das meine Sicht ungemein.

Und das Faszinierende für mich: Jesus wird dann lebendig spürbar. Wenn ich mit anderen über einen Bibeltext spreche, dann ist förmlich zu spüren, dass wir nicht nur zu zweit oder dritt in der Gruppe sind, sondern dass da mehr ist: da schwingt etwas mit im Raum.
 
Da schwingt etwas von einem Mann im Raum, von dem noch nicht einmal bewiesen ist, ob es ihn wirklich gegeben hat?

Also wenn ich mit Menschen die Bibel hernehme und mich mit ihnen über die Geschichten darin austausche, dann wird die Gegenwart von Jesus für mich so erlebbar und erfahrbar, dass ich mir gar nicht diese Frage stelle, ob das eine historische Person ist. Ich spüre einfach im Hier und Jetzt seine lebendige Kraft, und das ist viel wichtiger als diese Frage nach der Historizität.
 
Was war denn so großartig an ihm?

Dass er Menschen vorbehaltlos gegenübergetreten ist. All die Pharisäer und Schriftgelehrten mit ihren guten Regeln und Auslegungen – sie gingen am Leben vorbei, erreichten die Menschen nicht in ihrer Not. Und was macht Jesus? Er ruft eine leidende Frau in der Synagoge in die Mitte und sagt: „Du bist von deinem Leiden erlöst.“

Er legt ihr die Hand auf, und sie richtet sich auf – mitten in der Synagoge. Nach den Regeln der Schriftgelehrten aber hätte sie hinten sitzenbleiben müssen. Außerdem darf sie auf keinen Fall im Gotteshaus in die Mitte treten und schon gar nicht, Gott mit lauter Stimme loben, was sie dann aber tut.

Und Jesus? Was von den anderen verboten wird, missachtet er, weil es ihm um den Menschen geht. Er schenkt dieser Frau diesen Raum. Er steht auf  gegen alle Konventionen, die wir Menschen haben, und die oft gegen das Leben stehen. Jesus tritt für das Leben eines jeden Menschen ein, kompromisslos. Und das fasziniert mich an ihm.

Er ist und bleibt ein Rebell für das wahre Leben! Und das sollte einen jeden von uns ansprechen, denn auch wir leben noch nicht das ganze Leben, das Gott in uns erschaffen möchte.
 
 
Zur Person:
Pater Thomas Heck, geb. 1967 im Saarland, trat 1987 in den Orden der Steyler Missionare ein. Seine Priesterweihe empfing er 1995. Danach ging er als Missionar in den  Kongo. Ausbildung in Bibliodrama und Bibliolog. Seit 2003 bibelpastorale Teamarbeit in München. Seelsorger für Cursillo.
 


Sie möchten uns eine Nachricht schreiben?

 

Bitte geben Sie hier Ihren Namen und Ihre E-Mail-Adresse sowie Ihre Nachricht ein.

Sie wünschen einen Beratungstermin?

 

Bitte geben Sie hier Ihren Namen und Ihre E-Mail-Adresse sowie einen Terminwunsch an.

Ihr Kontakt zur Steyler Bank:

Bei Fragen können Sie uns natürlich gerne anrufen oder uns eine E-Mail senden.
Fragen, Wünsche, Kommentare?

Wir freuen uns auf regen Austausch mit Ihnen - auch über die sozialen Netzwerke.
Abonnieren Sie jetzt kostenlos Steyler Bank Aktuell, unseren monatlichen Newsletter für ethische Geldanlagen.

Jetzt registrieren.
  • Nachricht schreiben
  • Termin vereinbaren
  • Kontakt zur Steyler Bank
  • Soziale Netzwerke
  • Newsletter abonnieren
 

Pressearchiv

In unserem Pressearchiv finden Sie die Pressemeldungen der Jahre 2011 bis 2014.


Bilder & Videos

Podcasts, Bilder und Videos der Steyler Bank finden Sie hier.