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„Die Aufklärung beginnt im Gottesdienst“

Die Ebola-Epidemie in Westafrika bestimmt die Schlagzeilen. Rund 2.200 Todesopfer hat das Virus bereits gefordert.

In Ghana gibt es derzeit noch keine Ebola-Opfer. Trotzdem ist das Land in akuter Alarmbereitschaft, wie Pater Dionosio Nellas SVD berichtet.

Pater Dionosio Nellas SVD
17. September 2014
 
Von: Markus Frädrich
 
Pater Nellas, ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Ebola-Fieber Ghana erreicht?
Bislang gab es 37 Verdachtsfälle. Aber Gott sei Dank haben sich alle als Fehlalarm herausgestellt. Experten der Weltgesundheitsorganisation befürchten aber, dass der aktuelle Ausbruch in Westafrika noch zwölf bis 18 Monate andauern wird. Man befürchtet ein Szenario mit mehr als 20.000 Ebola-Fällen. Da ist es nicht unwahrscheinlich, dass der Erreger irgendwann auch Ghana erreicht.
 
Wie bereitet sich das Land vor?
Präsident John Dramani Mahama hat zugesagt, sechs Millionen Ghana Cedis bereitzustellen, sollte das Ebola-Virus das Land treffen – das sind ungefähr 1,5 Millionen Euro. Darüber hinaus klärt die Regierung in einer großen Kampagne auf, wie sich das Virus verbreitet, und erklärt, wie man sich schützen kann.
 
Trägt die Kampagne Früchte?
In den Großstädten, wo die Menschen mit Radio und Fernsehen ausgestattet sind, wissen die meisten über Symptome und Risiken Bescheid. Aber auf dem Land ist das anders. Hier kommen wir Missionare als Multiplikatoren ins Spiel.

Zu meiner Pfarrei St. Augustine in Asesewa gehören etwa 30 abgeschiedene Außenstationen, in denen ich regelmäßig unterwegs bin. Die Aufklärung der Dorfbevölkerung beginnt im Gottesdienst.
 
Wie das?

Wir bitten die Gottesdienstbesucher im Moment zum Beispiel, auf den Friedensgruß zu verzichten. Die heilige Kommunion verteilen wir ausschließlich in die Hand, nicht mehr direkt in den Mund. Am Ende des Gottesdienstes verteilen wir Flyer, die über Ebola aufklären.

Wir halten die Menschen dazu an, auf Symptome wie Fieber, Übelkeit und Blut im Stuhl zu achten. Wir warnen vor dem Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Blut, Urin oder Schweiß. Und wir empfehlen regelmäßiges Händewaschen und Schutzhandschuhe.
 
Wie nehmen die Menschen diese Vorgaben auf?
Vielen fällt es schwer, sich an die Regeln zu halten. Körperkontakt ist ein fester Bestandteil der ghanaischen Kultur. Die Menschen sind daran gewöhnt, sich häufig die Hand zu geben und zu umarmen. Wenn etwas gefeiert wird, werden Getränke und Mahlzeiten miteinander geteilt. Und zum Beerdigungsritual gehört es fest dazu, die Toten ausführlich zu waschen und aufzubahren.

Es ist eine große Herausforderung, hier ein Umdenken zu erreichen und die Menschen von physischem Kontakt miteinander abzuhalten. Eine große Herausforderung übrigens auch für uns Missionare, die wir gewöhnt sind, Teil dieser Kultur zu sein: Wenn wir ein Dorf besuchen, sitzen wir normalerweise eng mit den Familien zusammen und essen alle aus einem Topf. Das Ebola-Virus erschwert diese Solidarität und kulturelle Teilnahme – und schafft Distanz.
 
Macht Ihnen persönlich das immer näher rückende Virus Angst?
Ich vertraue auf Gott, dass wir die Herausforderungen meistern werden. Aber ich muss zugeben, dass ich mir große Sorgen mache. Wenn das Virus einmal in Ghana ist, wird es sich schnell verbreiten. Wir Missionare werden natürlich bei den Menschen bleiben und ihnen beistehen.

Aber nachdenklich macht mich das Schicksal dreier Barmherziger Brüder aus unserer Diözese Koforidua, die vor kurzem nach Liberia versetzt worden sind. Schon nach kurzer Zeit haben sie sich mit dem Ebola-Fieber angesteckt. Alle drei sind gestorben – 90 Prozent der Ebola-Kranken sterben. Es war nicht einmal möglich ihre Leichname zurück nach Ghana zu bringen, weil man die Ebola-Toten nicht mehr berühren darf. Das hat mich sehr betroffen gemacht.

Wir Steyler Missionare wollten im November 2014 in Liberia eine neue Mission eröffnen. Wegen des Ebola-Ausbruchs haben wir dieses Vorhaben erst einmal verschoben.

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