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Arnolds Profis: Brüderberufung bei den Steyler Missionaren

Sie sind Wissenschaftler, Schreiner, Krankenpfleger oder Arzt. Ohne sie läuft bei den Steyler Missionaren nichts. Deshalb will die Ordensleitung die Brüder fördern.
 

Bruder Karl Schaarschmidt baut Schulen und Kindergärten in Kenia
Wie verhalten sich Knochenzellen im Weltraum? Reduziert sich in der Schwerelosigkeit ihre Stressempfindlichkeit und könnte man das zur Behandlung von Krankheiten nutzen?

Brennende Fragen für einen Steyler Missionar. Bruder Rommel Bacabac forscht an solchen Problemen. Und um seine Experimente in der Realität zu überprüfen, schickte er seine Proben ins All zur Internationalen Raumstation.

Der 46-jährige Filipino ist Doktor der Experimentalphysik und Leiter der Forschungsgruppe Medizinische Biophysik an der San-Carlos-Universität in Cebu City. Schon als Schüler war ihm klar: „Meine Leidenschaft galt von Anfang an der Mathematik und der Physik.“

Doch das Leben als Ordensmann faszinierte ihn ebenso, und so trat er bei den Steylern ein: „Ich war überzeugt, dass man auch als Physiker mit ganzem Herzen Gott dienen kann und habe mich daher entschieden, Bruder zu werden.“

Mittlerweile ist Bruder Doktor Rommel Bacabac ein anerkannter Wissenschaftler, der für Vorträge nach Shanghai, Lissabon und Istanbul reist. „Meine Studenten wissen, dass ich Steyler und Missionsbruder bin. An mir sehen sie, dass Wissenschaft und Glaube keine Gegensätze sein müssen.“
 
Priester entschieden über Brüder
Ein Physikprofessor als Ordensbruder? Sind „Brüder“ nicht solche Ordensmänner, die nicht intelligent genug waren, Theologie zu studieren und Priester zu werden? Die, die sich die Hände dreckig machen im Garten und an der Druckmaschine, abends die Schuhe der Patres putzen und auf der Karriereleiter innerhalb des Ordens immer ganz unten bleiben?

Bruder Heinz Helf hat als Fotograf die weltweiten Projekte der Steyler Missionare dokumentiertBruder Heinz Helf, der 1949 bei den Steylern eintrat, kennt solche traditionellen Vorstellungen.

Denn er hat sie selbst noch erlebt: „Der Brüder-Präfekt war immer ein Priester, der erteilte auch die Erlaubnisse, wenn wir weggehen wollten oder Geld brauchten. Im Brüderspeisesaal saß er an einem extra Tisch auf einem Podest – abgehoben von uns.“
 
Der 81-Jährige lacht, wenn er davon erzählt – es hat ihn nicht gestört, dass ein Dutzend Brüder in einem Schlafsaal lagen, während die Patres eigene Zimmer hatten und nicht einmal gemeinsam gebetet wurde.

„Ich habe das nie als erniedrigend empfunden. Es gab einen sozialen Unterschied, aber ich konnte damit gut leben.“ Wohl auch deshalb, weil er sich mit seinen beruflichen Fähigkeiten als Schreiner hoch geschätzt fühlte und später sogar eine neue Ausbildung als Reproduktionsfotograf machte, die er mit der Meisterprüfung abschließen konnte.
 
Arnold Janssen förderte das Handwerk
Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil wehte auch ein neuer Wind durch die Missionshäuser. Brüder und Patres saßen gemeinsam in den Kirchenbänken und vor dem Suppenteller. Beim Generalkapitel 1968 redeten auch Brüder mit, 1972 wurde zum ersten Mal ein Bruder, Max Staudinger, in die Ordensleitung gewählt.

Dem Gründer der Gesellschaft des Göttlichen Wortes, Arnold Janssen, wäre das vermutlich sehr recht gewesen: Seine ersten treuen Mitarbeiter waren ein gelernter Schreiner und ein Kapuzinerbruder.

Er schätzte die Brüder und schimpfte, wenn sie von den Priestern nicht ernst genommen wurden: „Es wurde mir einmal von einem Priester geschrieben, der hielt es für eine Schande, mit einem Bruder an einem Tisch zu sitzen. Armselig!“ Er wollte gut ausgebildete Mitarbeiter, und so ermutigte er sie immer wieder, sich weiterzubilden.
 
Für Bruder Heinz Helf war das der Hauptgrund dafür, dass es so viele Techniker und Handwerker in die Gesellschaft des Göttlichen Wortes zog. Als Arnold Janssen 1909 starb, gehörten der Ordensgemeinschaft fast 600 Brüder an – bei 430 Priestern. 50 Jahre später, 1961, arbeiteten 148 Brüder in Steyl, gegenüber den 59 Patres bildeten sie eine starke Gruppe.

Der Maler von Steyl: Bruder Lukas KolzemOhne sie ging nichts – weder im Mutterhaus an der Maas noch in den Missionsländern:
Bruder Lukas Kolzem studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie Malerei, Bruder Johannes Hopfner baute die dreischiffige Kathedrale von Togo, und Bruder Wendelin Meyer reiste ganz allein in die USA, um für die Steyler Zeitschriften zu werben.

Brüder balancierten auf wackligen Gerüsten in den Kuppeln der Missionshäuser von Sankt Gabriel und Sankt Augustin, rannten bei Feueralarm zu den Schläuchen und leiteten – wie Bruder Helf – ganze Fachabteilungen mit zwei Dutzend Mitarbeitern.
 
Brudersein ist attraktiv
Profis, „Professionelle“, das sind die Steyler Brüder noch immer. Bruder Josimar de Souza arbeitet als Arzt in Bolivien, Bruder Bela Lanyi bildet als Architekt junge Konstrukteure für die boomende Bauwirtschaft in Cebu City aus. Bruder Karl Heinz Arenz ist Historiker an der Uni von Belem am Amazonas, Bruder Bernie Spitzley hat als Soziologe die Kraft der Bibel für die Armen in Jamaika entdeckt.
 
Bruder Bernd Ruffing pflegt und begleitet Aidskranke in ThailandSelbst für junge Leute wie Bernd Ruffing ist das Brudersein attraktiv: „Ich verkündige das Evangelium nicht mit Worten, sondern mit den Händen! Ich konnte mir nie vorstellen, auf einer Kanzel zu stehen und zu predigen. Ich wollte immer einer von ihnen werden, um dann einer für sie zu sein!“

Der gelernte Krankenpfleger sorgt in Thailand für Aidskranke und hat immer wieder erfahren: „Als Bruder bin ich ein Laie in der Kirchenhierarchie, und das ist gut. Denn vielen fällt es leichter, mit einem Bruder als mit einem Kleriker zu sprechen. Und wenn ich ihnen zuhöre und ihre Anliegen im Gebet vor Gott bringe, bin ich glücklich!“
 
Und doch: Es scheint, dass die alten Bilder vom Brudersein als zweite Wahl noch nicht überwunden sind. Denn weltweit nimmt die Zahl der Steyler Brüder kontinuierlich ab. Knapp 585 gibt es weltweit noch, fast ein Drittel stammt aus Europa, viele sind alt.

Bruder Heinz findet das schade: „Ich glaube, dass das Brudersein im Christentum eine wichtige Funktion hat. Wenn ich mit anderen Menschen zusammenarbeite, können sich ganz andere Zugänge zu Gott ergeben als über Gottesdienste.“ Die Generalleitung der Steyler geht sogar noch weiter: „Wenn es in einer Kommunität keinen Bruder gibt, ist das eine Schwächung unseres missionarischen Zeugnisses.“
 
Das Kirchenrecht hinkt hinterher
Wie zu Arnold Janssens Zeiten sind die Brüder eine selbstbewusste Gruppe in der SVD geblieben. Sie kennen ihren Wert und wissen doch: „Wir Steyler Missionare haben eine gemeinsame Berufung. Nur der Dienst, zu dem wir berufen sind als Bruder oder als Priester, der ist verschieden“, sagt Bruder Bernd. „Wir sollten für jede Form der Berufung dankbar sein, ohne mit Attributen wie besser, höher, mächtiger zu werten.“
 
Doch das Kirchenrecht hinkt noch hinterher: Drei Monate dauerte es, bis die vatikanische „Kongregation für die Institute des geweihten Lebens“ die Wahl von Bruder Roland Scheid zum Rektor des Missionshauses in Steyl erlaubte.

Auch für Bruder Hermann Hempen, den Vize-Rektor von Sankt Wendel, musste der Provinzial Pater Ralf Huning die Erlaubnis in Rom einholen. „Obwohl wir eine Gemeinschaft von Brüdern und Klerikern sind, gelten wir nach dem Kirchenrecht als ,klerikale Gemeinschaft‘, erklärt Pater Huning.

„Deswegen müssen Obere in den großen Häusern und in Ausbildungshäusern Priester sein. Die Erlaubnis, dass ein Bruder das Amt übernimmt, ist eine Ausnahme von der Regel. Das Kirchenrecht denkt hierarchisch-sakramental. Die Frage ist aber, ob das angemessen ist für die interne Leitungsstruktur der charismatischen und nicht hierarchischen Lebensform des Ordenslebens.“
 
Bruder Heinz mit seinen 81 Jahren sieht auch das gelassen: „Das wird sich auch noch ändern! Wir alle müssen noch viel mehr dahin gehen, wo die Menschen sind. Papst Franziskus macht es vor – er ist für mich der oberste Bruder!“ 

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