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Interview mit Jürgen Knieps und Norbert Wolf, Geschäftsführer der Steyler Bank

Eine starke Idee und eine große Zeit

1964 war für die junge Bundesrepublik ein herausragendes Jahr. Ludwig Erhard lenkte das Wirtschaftswunder, der geburtenstärkste aller Jahrgänge prägte die Demographie, der einmillionste Gastarbeiter wurde mit einem Motorrad als Geschenk begrüßt, das aufstrebende Deutschland nahm seinen Platz in der europäischen Staatengemeinschaft ein und die erste ethisch orientierte Bank wurde aus der Taufe gehoben.

Aus diesem Anlass sprachen wir mit den beiden Geschäftsführern der Steyler Bank, Norbert Wolf und Jürgen Knieps, zum 50. Geburtstag einer äußerst ungewöhnlichen Bank.



1964 war die Bankenwelt doch noch ziemlich in Ordnung. Was war damals der Auslöser für die Gründung der ersten ethischen Bank Deutschlands?
Norbert Wolf: 1964 war in der Tat ein ganz besonderes Jahr, denn es formierte sich die Bankenaufsicht. Die Steyler Missionare haben zu der Zeit von vielen Freunden und Förderern Geldmittel erhalten, zinslose Beträge, und haben die Zinsen, die Erträge für ihre missionarische Arbeit genutzt.

Die Bankenaufsicht sagte damals den Missionaren, solche Geschäfte seien ausschließlich Banken vorbehalten. Das war der Auslöser für die Missionare zu sagen: Dann gründen wir eben eine Bank. So wurde am 20. Februar 1964 die Steyler Bank aus der Taufe gehoben, aber eben mit ganz eigenen ethischen Grundsätzen.

In 50 Jahren hat sich viel verändert, allein in den letzten 5 Jahren nach der Finanzkrise sieht die Bankenwelt ganz anders aus. Auch bei der Steyler Bank?
Jürgen Knieps: Die Aufgabe der Steyler Bank, die Unterstützung des Ordens, ist über 50 Jahre gleich geblieben. Die Bankenkrise hat viel verändert, es gibt immer mehr Menschen, die das System in Frage stellen, die nach Alternativen suchen, die Veränderung wollen. Darum spüren wir eine starke Nachfrage nach Alternativen, nach ethischen Grundsätzen, nach ethischen Anlagen.

Die Steyler Bank gehört einem Orden, welcher der Armut verpflichtet ist. Wie geht das zusammen, hier das große Geld und dort die größte Armut?
Norbert Wolf: Diesen Spagat müssen wir jeden Tag neu machen. Weil die Steyler Missionare an den Existenzgrenzen äußerster Armut arbeiten und gleichzeitig Besitzer einer Bank sind, die dem Kapitalismus vielleicht manchmal näher ist als den Ärmsten dieser Welt. Aber denen können wir ohne Geld auch nicht helfen. Darum gehen die Bankgewinne der Steyler Bank in soziale Projekte, helfen da, wo es nötig ist, zeigen, dass Geld ein guter Diener sein kann, dass gutes Geld auch Gutes schafft.

Wieviel gutes Geld ist über die Jahre in die Arbeit des Steyler Ordens geflossen?
Norbert Wolf: In den 50 Jahren waren es insgesamt rund 90 Millionen Euro, die aus der Bank in die Arbeit des Ordens geflossen sind.

In Sankt Augustin wirbt die Straßenbahn für 50 Jahre Steyler Bank

Sie führen die Steyler Bank seit rund 20 Jahren mit einer Doppelspitze aus zwei Geschäftsführern. Wie fallen die Entscheidungen, wie muss man sich das Tandem Knieps/Wolf vorstellen?
Jürgen Knieps: Die Bankenaufsicht fordert eine Zweiteilung in Vertrieb und Controlling, bei uns kümmert sich Herr Wolf um den Vertrieb, ich arbeite im Bereich Controlling, Organisation, Rechnungswesen, wir nennen das Marktfolge. Und das geht gut mit uns beiden, wir treffen fast alle Entscheidungen gemeinsam, oft zusammen mit unserer Führungsmannschaft.

Wenn man die große weite Finanzwelt mit einem Ozean vergleicht, in welchen Strömen ist die Steyler Bank unterwegs, im Raubzug mit den Haien oder mehr im Goldfischbecken?
Norbert Wolf: Das Goldfischbecken ist uns schon sehr nahe. Es geht bei uns ja nicht um die Haifischrendite. Wir schauen ganz genau hin, wer unser Geld bekommt und was er damit macht. Es werden Nachhaltigkeitswerte beachtet, wir schauen auf das Geschäftsgebaren, erst dann fragen wir nach Zins oder Rendite. Mit dieser Haltung kommen wir seit 50 Jahren sehr gut zurecht, deshalb ist der Haifisch der Fisch, der gar nicht zu uns passt.

„Vertrauen ist der Anfang von allem“ hat mal eine Großbank als Werbeslogan genommen, der heute kaum noch einer traut. Warum vertrauen Kunden der Steyler Bank?
Jürgen Knieps: Unsere Kunden setzen ihr Vertrauen in uns, weil wir als Ordensbank eines katholischen Ordens ein christliches Menschen- und Weltbild leben, weil diese Philosophie unseren Bankalltag prägt, weil wir klare Führungsgrundsätze haben und unsere Kunden grundehrlich beraten. Da ist ein Urvertrauen, das uns von Kunden entgegengebracht wird, ein Pflänzchen, das wir hegen und pflegen.

Es gibt ja Banken, die sind eher wie Wettbüros, wo man auf sinkende Reispreise, steigende Fleischpreise, crashende Währungen wettet. Hat auch die Steyler Bank so eine Wettabteilung?
Norbert Wolf: In 50 Jahren Geschichte hat die Steyler Bank nicht eine Wette angeboten. Wir sind eine seriöse Bank, wir investieren, wir denken und handeln langfristig und sind uns schon, wenn wir nur eine Aktie kaufen, unserer unternehmerischen Verantwortung bewusst. Wetten und Spekulationen gehören nicht zu einer Bank, deshalb haben wir in Zeiten der Bankenkrise auch keine Verluste gehabt, sondern neue Kunden gewonnen, die diese Seriosität schätzen. Eine Bank darf kein Casino sein.

Ein großer deutscher Kanzler hat mal gesagt: „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.“ Herr Knieps, welche Vision haben Sie von der Steyler Bank im Jahr 2064?
Jürgen Knieps: 2064 sollte das gesamte Bankensystem auf anderen Füßen stehen, Werte sollten wieder von Bedeutung sein. Die Steyler Bank sehe ich als flächendeckendes Angebot, um die Menschen nach christlichen, ethischen Werten zu beraten. Viele Kunden kommen wegen der Glaubwürdigkeit, der Werte, der Ethik zu uns, freuen sich auf eine ehrliche Beratung und die Bekanntheit ist so hoch, dass jeder weiß, wofür die Steyler Bank steht.

Herr Wolf, Sie haben einen Wunsch frei für die zukünftigen Kunden der Steyler Bank.
Norbert Wolf: Ich wünsche mir für unsere Kunden, dass wir sie in ihrem Vertrauen, ihrem ethischen Anspruch, niemals enttäuschen und dass sie gute saubere Erträge über die Bank erhalten und wir dabei ein Geschäftsgebaren an den Tag legen, wie es sich gehört, heute und in fünfzig Jahren.

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