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Mitteilungsarchiv - Zeitung und Kaffee

Steyler: Thai Curry statt Currywurst

19. Februar 2013

Von: Corinna Rogge

Seit 30 Jahren reisen Jugendliche als „Missionare auf Zeit“ in die Welt. Unter dem Motto „Mitleben, mitbeten, mitarbeiten“ begleiten die Steyler Missionarinnen und Missionare die bis heute über 900 jungen Menschen.




Ein paar Holzhütten auf Pfählen stehen zwischen hohen Palmen. Die Eingänge lassen sich nur über etwas schief zusammengezimmerte Treppen erreichen. Die Teile der Wellblechdächer, die noch keinen Rost angesetzt haben, glänzen in der Sonne. Kinder spielen auf der Wiese vor den Häusern.

Zwischen ihnen steht ein junger schlaksiger Mann mit Schnäuzer, einer etwas überdimensionierten Brille und einem großen grünen Koffer. Der junge Mann ist Norbert Koch und das Dorf ist Looc auf Lubang, einer Insel der Philippinen.

Vor genau 30 Jahren reiste Koch als einer der ersten Missionare auf Zeit, kurz MaZ, mit den Steyler Missionaren und großen Erwartungen auf die Philippinen: „Ich bin voller Energie und Tatendrang losgezogen, wollte viele nette Leute treffen und dachte, ich könnte mit meinem westlichen Knowhow den Menschen helfen.“

Eine Langnase am „Ende der Welt“
Aber es kam alles anders: Koch stand plötzlich in einer für ihn völlig fremden Welt. Fließendes Wasser gab es nicht, im Gegenteil, für Wasser musste Koch erst einmal Brunnen graben.

Kleidung wurde im Fluss gewaschen und nicht in der Waschmaschine und das Englisch mit dem er eigentlich mit den Menschen kommunizieren sollte, musste er denen erst einmal beibringen: „Ich stand da in einem Dorf am Ende der Welt, wo das Leben nach anderen Maßstäben lief und hatte das Gefühl: Eigentlich kann ich gar nichts, ich kann denen überhaupt nichts bieten - Also hab ich einfach irgendwie mitgemacht.“

Als eine der wenigen „Langnasen“, wie Philippinos Europäer gerne nennen, kochte er für die Menschen, baute Brunnen und Hühnerställe oder hörte einfach nur zu. In einer ganz fremden Kultur lebte, arbeitete und betete er mit den Menschen.

Wenn er dann doch einmal Kontakt in die Heimat aufnehmen wollte, funktionierte das nicht so einfach: „Mal eben telefonieren ging nicht und ein Brief brauchte vier Wochen bis nach Deutschland, eine Antwort bekam ich also frühestens acht Wochen später.“

Einmal MaZ…
Da hat es Frederike heute schon leichter – Sie braucht nur ihren Laptop anzuschalten und schon ist sie mit ihrer Familie verbunden. Zum Beispiel mit ihrem Vater: Norbert Koch. Genau 30 Jahre nach ihrem Vater ist sie im Moment als Missionarin auf Zeit in Chile.

Ein Freiwilliges Soziales Jahr in Deutschland oder ein einfacher Urlaub kam für sie nie in Frage: „Nach den langen 13 Jahren wollte ich erstmal raus und dieses ‚Rausgehen‘ war für mich immer mit MaZ und den Steyler Missionaren verbunden. Mein Vater hat immer mit so einer großen Begeisterung von dieser Zeit gesprochen, das wollte ich auch erleben.“

Die Idee lebt weiter oder: „Kein bisschen in der Welt chillen“
Insgesamt ein Jahr verbringt Frederike in Chile, mit ihr sind noch 15 andere Missionare auf Zeit aus ganz Deutschland in der Welt im Einsatz. Über 900 junge Menschen haben die Steyler Missionarinnen und Missionare in den letzten 30 Jahren begleitet. Das Motto „Mitleben, mitbeten, mitarbeiten“ ist heute noch genauso aktuell wie vor drei Jahrzehnten, ebenso wie die Idee und die Motivation der Teilnehmer.

„Vielleicht war es damals ohne Internet und Skype ein etwas mehr ‚Abgeschnitten sein‘, aber die Leute, die heute die Entscheidung für MaZ treffen, machen für sich persönlich einen genauso großen Schritt, wie wir damals. Es ist zwar heute alles wesentlich professioneller, aber die Idee ist dieselbe, auch wenn die Welt sich verändert hat“, meint Norbert Koch.

Genau das bestätigt auch Frederike, wenn sie mit glänzenden Augen von ihrem Einsatz erzählt: „Mir geht es darum, mein Leben und meinen Glauben mit den Menschen dort zu teilen. Ich kann vielleicht nichts Großes verändern, aber ich kann meinen kleinen Teil in Chile zu einer besseren Welt leisten. Bei meinem Vater hat der Einsatz sein ganzes Leben auf den Kopf gestellt und ich freue mich riesig darauf, was das Jahr mit mir macht und wie es mich prägt.“

Zuhause “to go”
Norbert Koch hat das Jahr so geprägt, dass er noch nicht einmal direkt nach Deutschland zurückfliegen konnte: „Der Kulturschock damals plötzlich auf den Philippinen zu sein war riesig. Nach einem Jahr das Gleiche noch einmal mit Deutschland zu erleben, plötzlich wieder in einer ‚fremden‘ Kultur zu sein, da hatte ich riesige Angst vor.“

Statt schnell wieder in ein Leben mit fließend Wasser, Fernseher und Currywurst, ging´s Schritt für Schritt über Land nach Hause. „Ich hab mir einen leichten Armeerucksack gekauft, bin noch bis Indien geflogen und ab da ging´s quer durch Asien und Europa zurück nach Hause.“

Und der große grüne Koffer mit dem er anfangs in dem kleinen Dorf stand? „Den hab ich heute noch. Aber für meine Rückreise war der einfach viel zu groß und viel zu vollgepackt mit all den Andenken. Die Steyler haben ihn irgendwie auf einem Schiff nach Deutschland gebracht.“

Ob Frederike im Sommer auch so abenteuerlich zurückkommt wie ihr Vater, weiß sie noch nicht. Nur eines weiß sie jetzt schon: „Irgendwie verändert.“

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Mehr Informationen zum MaZ-Angebot finden Sie auf der Website der Steyler Missionare.

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