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Mitteilungsarchiv - Zeitung und Kaffee

Sommer. Sonne. Solarkrise.

27. Juni 2012

 

Von: Ulrich J. C. Harz

Deutschland produziert so viel Sonnenstrom wie noch nie, doch die Solarbranche kriselt. Wir sprechen mit dem Vorstand des Solarherstellers Priogo AG, David Muggli.

David Muggli, Priogo AG

Mit dem Ministerwechsel von Norbert Röttgen zu Peter Altmaier hat Bundeskanzlerin Merkel die Energiewende zur Chefsache gemacht. Das Projekt soll an Fahrt aufnehmen, denn es steckte in einer skurrilen Zwickmühle. Mit 20.000 Megawatt produziert Deutschland so viel Solarenergie wie kein anderes Land. Die Menge entspricht der Leistung von 20 Atomkraftwerken.

Die Solarbranche schwächelt.
Drei große Hersteller mussten Insolvenz anmelden, zu groß ist der Preiskampf mit billigen Modulen aus China. Denn das Geschäft boomt. Im eher sonnenschwachen Deutschland sind über eine Million Solaranlagen installiert, auch deshalb, weil sie so stark gefördert werden. Die 7 Milliarden Förderung pro Jahr möchte Wirtschaftsminister Rösler kappen, die Länder stemmen sich im Bundesrat dagegen. Ein Kompromiss wird entscheiden, ob der Solarboom anhält.

Mangelhafter Netzausbau
Es fehlen 4.500 Kilometer Höchstspannungsleitungen und zig Tausende Kilometer an Verteilnetzen, um den eingespeisten Strom zu transportieren. Hier haben die Netzbetreiber versagt. Trotzdem hat sich der Anteil am Ökostrom in 10 Jahren von 6% auf respektable 20% erhöht. Doch die Zeche zahlt der Bürger. Mit seinen Steuern wird die teure Förderung finanziert, mit seinen stetig steigenden Energiekosten bezahlt er die Investitionen der Branche.

Denn nur die Privathaushalte zahlen eine Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, von der große, energieintensive Unternehmen befreit sind. Für diese Großunternehmen, die ein Fünftel des deutschen Stroms verbrauchen, sind die Preise um 12% gefallen, während sie für Privathaushalte um 3% gestiegen sind. Eine faire Energiewende sieht anders aus.

Interview

Ethik-Aktuell befragt David Muggli, Vorstand der Priogo AG. Die Priogo AG ist ein Hersteller von Solaranlagen und Solar-Projektentwickler mit Sitz in Zülpich.

Herr Muggli, wie viel freie Marktwirtschaft steckt in der Solarbranche und wie viel staatliche Regelung?

Muggli:
Soviel wie insgesamt in der Energiebranche. Einen echten Markt gibt es nicht. Wie sollte der Markt entscheiden, wo Atommüll gelagert wird? Hier braucht es die Politik.

Ist die Solarbranche in Deutschland in der Krise oder hat sich der Markt nur bereinigt?

Muggli:
Beides, die Krise ist das Fehlen der gesetzlichen Rahmen-bedingungen, ein klares Defizit der Politik. Und die Marktbereinigung findet statt, schafft eine natürliche Auslese von schlecht finanzierten Unternehmen und Firmen, die sich allein auf Module spezialisiert haben. Die werden nicht überleben.

Wohin geht nach Ihrer Einschätzung die Förderung des Solarausbaus?

Muggli:
Der Rösler & Röttgen-Entwurf wird mit geringen Änderungen Realität werden und das noch vor der Sommerpause. Die Förderung wird drastisch gekürzt und das ist auch sinnvoll.

Wie kann der schleppende Netzausbau nachhaltig beschleunigt werden?

Muggli:
Wir brauchen klare Richtlinien der Politik, müssen die Bürger mitnehmen, die technische Machbarkeit ist ein Klacks.

Warum wird Industriestrom immer billiger und Haushaltsstrom immer teurer?

Muggli:
Die Großunternehmen sind befreit von der Umlage, kaufen nicht bei Anbietern, sondern der Leipziger Strombörse und haben anders als Otto Normalstromverbraucher eine extrem starke Lobby.

Ihre Prognose für die Energiewende in den nächsten 5 Jahren?

Muggli:
Wenn die Wende auf breiten politischen Schultern steht, damit meine ich alle außer der FDP, die bisher kaum Vernünftiges und Sinnvolles beigetragen hat, wird sie ein viel größerer Erfolg, als wir heute glauben. Schon 2030 werden wir zu 100% erneuerbare Energie haben.

Herr Muggli, wir danken Ihnen für das Gespräch.
(Das Interview führte Ulrich J. C. Harz)

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