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Mitteilungsarchiv - Zeitung und Kaffee

Nix gelernt. Viel vergessen. Das Ganze von vorn.

5. Oktober 2011
 
Von: Ulrich C. Harz

Über 800 Ökonomen versammelten sich, um das Lernen aus der Krise zu analysieren. Ihr niederschmetterndes Urteil: Gerade die Banken hätten aus der Finanzkrise nicht nur nichts gelernt, sondern sogar Veränderungen boykottiert. Fazit: Die nächste Krise kommt bestimmt.

Wenn Ökonomen unter sich sind, reden sie Klartext. So geschehen auf der Jahrestagung des Vereins für Sozialpolitik. Vier Tage im September mit 800 Volkswirten und vollem Programm zum Thema: „Lektionen aus der Krise“. Optimisten und Pessimisten, forschende Theoretiker und handelnde Praktiker waren sich einig, man habe zu spät zu wenig gelernt und aus Krisen der Vergangenheit sei kein Gewinn zu ziehen für die Zukunft. Dieser Geschichtspessimismus setzte statt auf eine neue Ethik eher auf Stellschrauben im System.

Hans-Werner Sinn vom Münchner Ifo-Institut etwa forderte harte Budgetbandagen und keine gesamtschuldnerische Haftung der Schuldenstaaten. Anderenfalls sei der Euro schnell am Ende. Andere Diskussionsteilnehmer sahen die Lage entspannt, wollten von einer Transferunion gar nicht reden und erspähten zwar nicht für die Griechen, aber für Portugiesen, Iren und Italiener Licht am Horizont des hoch verschuldeten alten Europa.

Bankenmacht und Regierungsschwäche
Eine Brandrede der besonderen Art kam von Martin Hellwig, als Mitglied der Monopolkommission und Sprecher des Lenkungsrates ein ausgewiesener Praktiker. Er sieht den Staat als Geisel der Finanzwelt, welche den Drohgebärden und Lobbyaktivitäten nichts entgegen zu setzen habe als ein Sammelsurium kleinteiliger Einzelmaßnahmen. Das habe den Großbanken klargemacht, dass sie unantastbar seien, auch nicht mehr kontrollierbar oder gar regulierbar. Darum werde die nächste Krise genau so ablaufen wie die letzte und Hellwig war sich sicher: „Die nächste Krise kommt bestimmt, es ist nicht die Frage ob, sondern wann.“


Der 62-jährige Bonner hatte aber auch einen Vorschlag, den zwar keiner umsetzen wird, der aber die Spekulationswut der Banken schon bremsen würde. Er sprach sich für 30% Eigenkapitalquote der Banken aus, also eine Verzehnfachung des Status quo. Das würde zwar auf Kosten von Geschäft und Gewinn gehen, aber auch das Risikobewusstsein wieder normalisieren und die Casinomentalität korrigieren. Und das könnte der Anfang einer neuen Banken-Ethik sein.

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