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Mitteilungsarchiv - Zeitung und Kaffee

Mikrofinanz am Ende?

20. April 2011

Kleinkredite als erster Schritt aus der Armut. Aber Skandale in Indien sorgen für erste Kratzer im glänzenden Lack der so erfolgreichen Geschäftsidee. Die Frage stellt sich: Wie sozial ist „Social Banking“?

Mikrofinanz in Millionenanwendung. Ein Lehrstück aus Südindien

Microfinance, also Kleinkredite zum Gewerbeaufbau ohne besondere Sicherheiten, das war lange Zeit so etwas wie der Zaubertrank des Miraculix zum Erstarken der Dritten Welt, ein Weg aus der Armut für Viele, besonders in Indien und Bangladesh. Die Summen in Höhe von 50,- bis 1.000,- Dollar konnten aus armen Landarbeitern selbständige Bauern machen, aus arbeitslosen Frauen Kleingewerbetreibende. Etwa 75 Millionen Menschen in Indien gewannen eine neue Unabhängigkeit mit diesen Mikrokrediten, ausgeschüttet durch meist Mikrofinanz-Institutionen (MFI). Der Nobelpreis für den Pionier dieser Finanzierungen, Muhammad Yunus war die endgültige Nobilitierung einer starken sozial orientierten Idee.

Skandalnachrichten aus Andhra Pradesh.
Ende des letzten Jahres drangen erste Negativschlagzeilen aus dem Süden Indiens in die Nachrichten der Welt. Die Rede war von Selbstmorden überschuldeter Gläubiger, deren Außenstände mit rigiden Methoden eingefordert worden sein sollen. Dabei ist die Situation in der südindischen Provinz Andhra Pradesh besonders verworren. Neben etwa 10.000 Mitarbeitern der MFI tummeln sich dort berüchtigte private Geldverleiher, so genannte „money lenders“, die für Wucherzinsen und rüde Umgangsformen bekannt sind. Auch den klassischen Banken, Institute für Mittelstand und Oberschicht, sind die MFI ein Dorn im Auge. Bis heute ist kein Zusammenhang zwischen einem Mikrokredit und einem Selbstmord belegt, aber die Wogen kochten hoch.

Die Regierung greift ein.
Noch Ende 2010 hat die Regionalregierung von Andhra Pradesh Maßnahmen ergriffen. Sie erließ eine Registrierungspflicht für die MFI, jeder Kunde darf nur einen Mikrokredit in Anspruch nehmen, was Überschuldung vermeiden soll und stattliche Eingriffe ins Kreditwesen sind erleichtert worden. Die Zentralregierung in Dehli sieht das Mikrofinanzwesen nach wie vor eindeutig positiv.

Mikrofinanz – quo vadis?
Den Ärmsten der Armen kann manchmal auch mit Mikrokrediten nicht geholfen werden, sie geraten nur in eine disparate Schuldenfalle. Das mindert aber nicht die millionenfache erfolgreiche Subsidiarität im indischen Süden genau so wie in Bangladesh. Dennoch gab es Fälle, in denen die relativ teuren Mikrofinanzierungen nicht zur Selbständigkeit, sondern zum Konsum eingesetzt worden sind. Hier schnappt die Schuldenfalle erbarmungslos zu und hier dürfen Banker ihre Verantwortung nicht aus den Augen verlieren. „Social Banking“ kann zur wirtschaftlichen Progression beitragen, kann zur Selbständigkeit verhelfen und unabhängig machen von ökonomischen Fesseln. Mikrofinanz ist aber niemals ein Konsumkredit, hier müssen die Banken das schnelle Geschäft dem ethischen Handeln hintanstellen.


Sie tragen gerade in Ländern wie Indien viel Verantwortung, denn mehr als 300 Millionen Haushalte haben überhaupt keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen, kennen kein Konto, kein Sparbuch, keine Versicherung. Für sie sind Mikrokredite echtes Neuland. Die Erfahrung mit Sparen als Planungsinstrument, mit Versichern als Reduzieren von Risiko wird durch sie erst möglich.


Nach dem ersten Börsengang eines MFI sprechen Kritiker vom „Mission Drift“, sie meinen damit den Einzug der Profitmaximierung in die humanistische Idee der Mikrofinanz, sie befürchten die Shareholder Value anstelle der „social idea“.

Mikrofinanz ist nicht am Ende
Trotz aller Probleme, die falsch verstandene Mikrofinanzierungen mit sich bringen, ändert sich nichts an der Genialität der Idee. Mikrofinanz, eingebettet in eine verantwortungsvolle Sozialarbeit, bietet vielen Menschen einen hoffnungsvollen Weg aus der Armut. Steyler Missionare setzen weltweit das Mittel der Kleinstkredite mit großem Erfolg ein.

Gute Fonds helfen effektiv
Auf dem Markt gibt es gute Fonds, die in ausgewählte Mikrofinanzinstitute investieren und dabei stets die soziale Verantwortung im Blick haben. Ein Beispiel für solch einen Fonds stellt der Good-Growth-Funds dar, den wir Ihnen in diesem Newsletter vorstellen. Für die Steyler Bank und sozial nachhaltig orientierte Anleger ist Mikrofinanz in keinster Weise am Ende.

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