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Mitteilungsarchiv - Zeitung und Kaffee

Hunger auf Energie

26. September 2012

17 Milliarden Euro beträgt der Umsatz mit Biozusätzen zum Sprit. Aber die Verbraucher haben E 10 nie akzeptiert und die EU will die Subventionen bis 2020 kappen. Doch findige Investoren haben schon ein neues Ass im Ärmel: Jatropha...

Biosprit 

 

Wer E 10 tankt, tut was für die Umwelt, denn 10% sind Sprit aus Biomasse.

Das sollte noch Norbert Röttgen den Autofahrern als schiere Wahrheit verkaufen, er scheiterte nicht nur daran. Die Kritik am Biosprit ging quer durch alle Lager, die Autofahrer akzeptierten das Gemisch nie. Die Umweltorganisationen protestierten gegen den Landraub in der Dritten Welt, gegen die Verknappung von Lebensmitteln und gegen die schlechte Biobilanz des E 10.

 

Die EU-Entscheidung, die Subventionen zu beenden, folgt der Logik und der Vernunft, aber sie gilt erst ab 2020 und nur für Biotreibstoffe, die nicht zu einer Senkung der Treibhausgase beitragen und die nicht als Nahrungs- oder Futtermittel genutzt werden können. Eine lange Zeit für Investoren, sich neu am Markt zu orientieren und in der Tat arbeiten die Heuschrecken schon an ihrer neuen Ernte.


Jatropha als Wundermittel?
Die Zauberpflanze heißt Jatropha, in Deutschland auch Purgiernuss. Sie wächst als Busch oder Baum, verträgt tropisches und subtropisches Klima und ihre Nüsse haben einen ergiebigen Ölanteil. Und das Gelbe vom Ei: Aufgrund ihrer Giftstoffe sind sie vollkommen ungeeignet für Mensch und Tier. Das nutzen kapitalkräftige Investoren in Afrika, Asien und Lateinamerika, sie kauften in den letzten 12 Jahren eine Fläche von der Größe des europäischen Kontinents, etwa 100.000 Hektar für die Anlage von Jatropha-Plantagen.

Aber Flächen, die zum Anbau der Jatropha-Pflanze genutzt werden, stehen für Mais- oder Maniokanbau nicht mehr zur Verfügung, die Kleinbauern müssen giftige Pflanzen verkaufen, um essbare kaufen zu können, eine absurde Entwicklung. Hinzu kommt bei den Großflächen zwischen 8.000 und 32.000 Hektar, dass diese nur landwirtschaftlich industriell bewirtschaftet werden können und nicht kleinbäuerlich. Denn wenn die Investoren ihre ehrgeizigen Gewinnziele erreichen wollen, müssen sie nicht nur die Bauern ausbeuten, sondern auch aus den Böden das Maximale herausholen.

Ein risikoreiches Geschäft mit zweifelhafter Umweltbilanz
Das geht nicht ohne Monokulturen, Pestizide und Düngemittel, denn nur unter optimalen Bedingungen liefert die Pflanze 5 – 7 Tonnen je Hektar, wobei der Ölanteil der Samen bei etwa 35% liegt. Aber weil das Jatropha-Geschäft noch in den Kinderschuhen steckt, sind die Risiken hoch. Bei schlechten Böden fallen die Ernten leicht auf eine Tonne je Hektar, die handgetriebenen Pressen schaffen nur 60% des Ölgehalts und die Pflanze braucht viel Handarbeit, ist von ihrer Struktur sehr anfällig für Flächenbrände.

Jatropha erzeugt Interesse bei Großinvestoren
Dazu gehört auch das deutsche Unternehmen Prokon, das sich als Anbieter ökologischer Anlageprodukte positioniert. Und sogar die deutsche Luftfahrtindustrie hat ein reges Interesse an Jatropha, weil es besonders geeignet ist als Ersatz von Kerosin. Darum haben sich Anbieter wie Lufthansa, Air Berlin, und MTU in einem Kartell namens AIREG zusammengeschlossen, um Biotreibstoff zu fördern.

Der Grund liegt auf der Hand: Ab 2012 werden die Luftfahrtunternehmen in den CO2-Zertifikate-Handel eingebunden. Je weniger CO2 die Flugzeuge ausstoßen, desto größer der Profit der Airlines. Kein Wunder, dass in Tansania schon 7% der landwirtschaftlichen Nutzfläche in ausländischer Hand sind, in Sierra Leone 15% und in Liberia 67%.

Die Ernte der Heuschrecken
Über diese Form des modernen Landraubs hat der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling eine erschreckende Studie mit dem Titel „Die Ernte der Heuschrecken“ veranlasst und auf seiner Seite veröffentlicht. Der Kernsatz lautet: „Heuschrecken ernten, während andere hungern.“

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