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Mitteilungsarchiv - Zeitung und Kaffee

Ethik für Raubtiere?

5. Oktober 2011

Ethik-Aktuell sprach mit Dr. Klaus Gabriel, Beiratsmitglied der Steyler Bank, über Ethik im Bankgeschäft und die jüngste Bankenschelte.

Der Ökonomenkongress in Frankfurt hat den Bankern Ignoranz und mangelhaftes Lernvermögen attestiert. Wir fragten Dr. Klaus Gabriel, Mitglied im Ethik-Ausschuss der Steyler Bank, inwiefern Banken ethische undverbindliche Grundwerte für ihr Handeln brauchen.


Ethik-Aktuell: Der Verein für Sozialpolitik hat auf seiner Herbsttagung mit über 800 Volkswirten die Banken scharf gerügt. Sie hätten aus der Krise nichts gelernt. Sehen Sie das auch so?

Ich gehörte auch zu denjenigen, die gesagt haben, es würde nach der Krise eine Veränderung der Finanzwelt geben - wann, wenn nicht jetzt? Von den guten Ansätzen ist leider so gut wie nichts übrig geblieben, aber die Finanzwelt hat am Status quo auch ein großes Interesse, er hat in den letzten 20 Jahren gute Gewinne abgeworfen und so bleibt die Finanzkrise weiterhin eine Facette unserer Wirtschafts- und Gesellschaftskrise.


Ethik-Aktuell: Einer der Vorschläge in Frankfurt war eine Eigenkapitalquote der Banken von 30%. Ist das ein probates Mittel?

Ganz klar muss man die Verantwortung der Banken stärker einfordern, da kann eine 30% Eigenkapitalquote ein gutes Mittel sein. Aber man muss das im Gesamtzusammenhang sehen, da spielt etwa auch die Gefahr einer möglichen Kreditklemme eine wesentliche Rolle. Es gab vor wenigen Wochen den Bericht einer englischen Forschergruppe, die zur Verhinderung einer weiteren Krise das so genannte Trennbankensystem vorgeschlagen hat. Das gab es in wesentlichen Zügen bis 1999 in den USA und bedeutet, dass es die klassischen Geschäftsbanken gibt und Investmentbanken, deren hohes Risiko allen bewusst ist. Die Bankenwelt teilt sich dann in Servicebanken für Einlagen, Kredite, ganz normale Bankleistungen und das Investment Banking. Wesentliche Ursache der Krise war ja die Tatsache, dass man die Banken nicht in den Konkurs schicken konnte, weil sie too big-to-fail, aber auch too-connected-to-fail (zu groß und zu vernetzt für ein Scheitern) waren. Da wären dann auch die kleinen Sparer betroffen gewesen und das hätte zu massiven gesellschaftlichen Verwerfungen geführt.


Ethik-Aktuell: Und beim Trennbankensystem wüsste der Sparer quasi, ob er im Goldfischteich oder im Piranhabecken anlegt?

Ja, damit wird das Risiko transparenter, man kann sich nicht auf imaginäre Kettenreaktionen herausreden, das ist ein Kernpunkt, gegen den sich die Finanzindustrie natürlich vehement wehrt, denn die Spekulanten brauchen ja das billige Geld der Sparer und Anleger.

Ethik-Aktuell: Die Presse spricht gerne von Heuschrecken und Hyänen, vom so genannten Raubtierkapitalismus. Sind wir wirklich schon im Zoo gelandet?

Das marktwirtschaftliche Prinzip hat ja Hand und Fuß, nur muss sich dieses Prinzip auch an Rahmenbedingungen halten, die das System ihm setzt. Hier werden Grenzen regelmäßig überschritten, und wenn die Bank dann an die Grenze des Ruins geführt wird, fängt der Staat sie auf. Hinzu kommt, dass diese Rahmenbedingungen von den Finanzmarktakteuren immer mehr verändert und verwässert werden, die Stichworte hier sind die Deregulierung und Liberalisierung der letzten 20 Jahre. Diese Auswüchse müsste die Politik im Zaume halten, aber wenn Sie sich zum Beispiel das amerikanische Finanzministerium anschauen, sieht das aus wie eine Aussenabteilung von Goldman Sachs. Das ist bei uns so anders auch nicht, denken Sie an Herrn Ackermann als Chefberater von Frau Merkel. Hier wächst es über die Finanzkrise hinaus zu einem demokratiepolitischen Problem. Darum haben wir eher eine Krise unserer Zivilgesellschaft.

Ethik-Aktuell:
Haben wir die Mechanismen, um eine solche Krise demokratisch zu bewältigen?

Das ist die große Angstfrage: Gelingt es, dieses System mit demokratischen Mitteln in den Griff zu bekommen? Zunächst braucht es eine starke Zivilgesellschaft, gerade die NGOs (Nicht-Regierungs-Organisationen) bekommen hier zunehmend Bedeutung, ihr Einfluss wächst, die Menschen glauben ihnen und vertrauen ihnen mehr als der Politik oder der Wirtschaft. Und dann braucht es Akteure wie die Steyler Bank, die aus dem Verbund ausscheren, die Modelle entwickeln und zeigen, dass es auch anders geht. Diese Marktteilnehmer gehen jetzt schon gestärkt aus der Krise. Diese Beispiele zeigen jeden Tag, dass Alternativen nicht hypothetisch sind, sondern dass man Finanzwirtschaft mit sozialer Verantwortung und ökologischer Zukunftsfähigkeit verbinden kann.


Ethik-Aktuell: Herr Dr. Gabriel, wir danken für das Gespräch.

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