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Interview mit Pater Daisuke - japanische Schriftzeichen; Motiv: Japan‘s Famed Miyajima Gate Hiroshima Prefecture

Ein Brückenbauer und Weltverbesserer

1. Oktober 2014
 

Zwischen Fukushima, Den Haag, Irland und Rom ein Zwischenstopp im beschaulichen St. Augustin. Vor kurzem hatte Steyler Bank Aktuell die Ehre, mit einem beeindruckenden Menschen zu sprechen: Pater Daisuke ist ein helfender Weltenbummler.

Ob auf den Philippinen, nach der Katastrophe in Fukushima oder in Gemeinschaften in Japan, Amerika und vielen anderen Ländern, Pater Daisuke ist vor Ort.

Seine aktuelle Aufgabe als JPIC-Koordinator (Gerechtigkeit, Friede und Erhaltung der Schöpfung) ist die Organisation der Steyler Ethik-Scouts in über 60 Provinzen in der Welt verteilt.

Im Interview spricht der Pater über seinen Werdegang, die Erfahrungen in Fukushima, die Erwartungen an den neuen Papst, die Arbeit der Ethik-Scouts. Zum Abschluss verrät er, wie Suppekochen verbindet.


Nach ihren Stationen in Japan, Amerika, auf den Philippinen sind Sie heute zum ersten Mal in St. Augustin. Wie ist Ihr erster Eindruck?

Pater Daisuke: Ich bin beeindruckt von dem gewaltigen riesigen Haupthaus. Mir kam das Bild in den Kopf, vor dem Mutterhaus der Missionare zu stehen, so viele Steyler wurden hier ausgebildet und sind dann in die Welt gezogen für ihre Mission. Das ist bewegend.

Auf Ihrem Weg, der mit 13 Jahren in einer kleinen Gemeinde des Steyler Ordens begonnen hat, haben Sie viele Stationen durchlebt. Gibt es Erlebnisse, die Sie sehr geprägt haben?

Pater Daisuke: Ich denke, es gibt zwei Erfahrungen in meinem Leben, die mich sehr geprägt haben. Zum einen die Rückkehr nach Japan, nachdem ich meine Kinderjahre von fünf bis zehn in Indonesien verbracht habe. Ich war damals ein Migrantenkind, das sich nicht zugehörig gefühlt hat. Mir fehlte eine Identität.

Ein neues Zuhause habe ich bei der Steyler Gemeinde, die in der Nähe meines Wohnorts war, gefunden. Ich fing an, dort Basketball und Baseball zu spielen. Die Missionare beeindruckten mich mit ihrem ruhigen guten Leben. So begann mein Weg zum Pater. Noch heute kann ich die Gefühle und Situationen aller Migranten verstehen, die wir durch unsere Arbeit unterstützen.

Das andere einschneidende Erlebnis ist die Zeit vor meiner Priesterweihe. Ich wollte die Erfahrung machen, wie es ist, unter den ärmsten Bedingungen zu leben. Deswegen war ich für sechs Monate auf den Philippinen, wo ich in den allerärmsten Gegenden sowohl in der Stadt als auch auf dem Land gewohnt habe. Ich muss sagen, ich war schockiert. Das Schlimmste war, dass ich nicht aktiv helfen konnte. Durch diese Zeit ist mir klar geworden, dass es das Wichtigste ist, einfach für die Menschen da zu sein. Das ist zum Fundament meiner Arbeit geworden: einfach da sein.

Ein weiteres Erlebnis, das bestimmt starke Auswirkungen auf Sie hatte, war die Katastrophe in Fukushima. Drei Jahre nach dem Unglück: Hat auch die Regierung ihre Lehren aus diesem Trauma gezogen?

Pater Daisuke: Die allgemeine Bevölkerung in Japan ist sehr beunruhigt, sehr verängstigt, aber die Regierung lässt sich nicht überzeugen, sie hält starr an der Atomkraft fest. Da sind die Deutschen viel weiter mit ihrem Plan einer Energiewende.

JPIC, das englische Kürzel für Gerechtigkeit, Frieden und Erhaltung der Schöpfung ist eine Art Grundhaltung, der sich die Steyler Missionare verpflichten. Können Sie uns ein Bild davon geben, wie JPIC gelebt wird?

Pater Daisuke: JPIC ist eine Haltung, der sich die Steyler Missionare verpflichten. Wir leben und entwickeln diese Haltung innerhalb unserer Gemeinschaften. Es sind interkulturelle, interreligiöse und multinationale Gemeinschaften, in denen jeder Einzelne, die Umwelt und Mutter Erde respektiert werden.

Es ist unsere Mission, friedlich und harmonisch zusammen zu leben. Dazu gehört vor allem auch die Überzeugung, dass jedes menschliche Wesen und jede Kreatur wertvoll ist. Die Präsenz unserer Gemeinschaften ist sehr wichtig. Unsere Nachbarn können spüren, wie wir beisammen leben, wie wir die Vielfalt verbinden.

Aber natürlich setzen wir uns auch mit der Realität von außen auseinander. Das wichtigste Mittel ist der Dialog, den wir immer wieder suchen, um von den Menschen zu lernen. Wir wollen nicht bekehren. Es ist wichtig, den anderen zuzuhören, von ihnen zu lernen und mit unserer Haltung präsent zu sein.

Ein Mensch, der die Haltung von JPIC sehr klar auslebt, ist der neue Papst Franziskus. Was sind Ihre Erwartungen für die kommenden Jahre?

Pater Daisuke: Er hat uns im vergangenen Jahr viele gute Beispiele gezeigt. Ich finde, er lebt uns vor, was „normal“ sein sollte für die katholische Kirche. Zum Beispiel Obdachlose zu einer Mahlzeit einzuladen. Meine Erwartung ist, dass sich die Katholiken in der Welt diese „Normalität“ zu Eigen machen.

Wer sind die Ethik Scouts? Was machen sie? Warum sind Sie so wichtig?

Pater Daisuke: In seinen über 60 Provinzen hat der Orden Ethik Scouts etabliert. Das sind Missionare vor Ort, die wir kontaktieren können, wenn wir bestimmte Unternehmen auf ethische Grundsätze überprüfen wollen. Das bedeutet in der Praxis: die Missionare vor Ort können sich kritische Situationen anschauen, mit den Menschen sprechen und Missstände erkennen.

Diese Informationen werden dann an die Steyler Bank weitergegeben. Wir können nun öffentlichen Druck auf die Unternehmen ausüben. Das passiert zum Beispiel momentan in Brasilien beim Bau des Belo Monte Staudamms. Aufgrund des Baus verlieren viele Bewohner ihr Land, ihren Arbeitsplatz.

Durch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, die Veröffentlichung der Missstände ist Druck auf die Unternehmen entstanden. Sie müssen reagieren, ihre Politik ändern, sie stehen unter Beobachtung. Das gibt uns die Hoffnung, die Situation der Menschen zu verbessern.

Gerade die Steyler stehen für den interkulturellen und interreligiösen Dialog. Wie kann man sich das in der Realität vorstellen? Wie lebt dieser Dialog?

Pater Daisuke: Ich glaube, das lässt sich am besten an einem Beispiel zeigen. Die Nachbarn der Steyler Gemeinschaft, der ich in Den Haag beigewohnt habe, sind hauptsächlich muslimische Migranten – eine andere Welt. Wie baut man eine Brücke zu dieser Welt? Ganz einfach mit einer Suppenküche.

Der erste Kontakt zu den hilfsbedürftigen Migranten entstand beim Suppekochen. Danach kamen einige, um mit den Steylern zu reden. Wir nennen es das „Ohr-Projekt“. Auch hier zeigt sich das Wichtigste wieder: Einfach da sein.

Haben Sie noch einen abschließenden Wunsch, einen Rat an die Kunden der Steyler Bank?

Pater Daisuke: Ich bin sehr dankbar für die Kooperation der Kunden. In unserer Welt ist die Macht des Geldes sehr groß. Und leider wird diese Macht so oft missbraucht. Deswegen ist unsere Zusammenarbeit so wichtig.

Wir alle wollen den Menschen auf dieser Erde zeigen, was wirklich wichtig ist, was allein zählt: das Leben, die Schöpfung Gottes.

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