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Mitteilungsarchiv - Zeitung und Kaffee

Die Sonne auf der Überholspur

28. Juni 2011

Fukushima läutete das Ende des Atomkraftzeitalters ein. Sonnige Zeiten für die Solarbranche und Solarworld, deren Chef Frank Alsbeck ein absolut lesenwertes Buch über Sonnenenergie herausgebracht hat.

Die Energiewende vollzieht sich nicht als ein großer Umbruch, sondern als eine Kurskorrektur in vielen kleinen Schritten. Einer davon ist das zum 1. Mai in Kraft getretene Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz, kurz EEWärmeG. Es besagt, dass alle öffentlichen Gebäude in der Bundesrepublik anteilig erneuerbare Energien nutzen müssen. Das gilt nicht nur für Neubauten, sondern auch für bestehende Gebäude, nicht nur für eigene, auch für Mietobjekte. Das Bundesumweltministerium wird Umbauten und Renovierungen angemessen fördern, die öffentliche Hand will mit gutem Beispiel vorangehen, sie versteht das als Teil der „Nationalen Klimaschutzinitiative“.

Vieles neu ab Monat Mai
24 Tage nach der Gesetzesnovelle hielt einer der echten Gewinner der Energiewende in Bonn seine Hauptversammlung ab. Der Vorstandschef der Solarworld AG, Frank Asbeck begann das Tagesprogramm mit einer fulminanten Abrechnung mit der Atombranche. Wenn man nicht von einem GAU in 25.000 Jahren ausgeht wie die Statistiker, sondern von drei in wenigen Jahrzehnten, dann machen schon die Kosten der Unglücke den Atomstrom zehnmal teurer als Solarstrom. Asbeck akzeptierte auch nicht die Atomnutzung als Brückentechnologie, sondern verwarf sie als Sackgasse der Industriegeschichte. Die Besucher im alten Plenarsaal folgten ergeben den Worten des Sonnenkönigs.

Sonnige Zahlen. Solare Ziele.
Selbst die Anlegerschützer lobten den Solarworld-Vorstand. Der weltweit führende Anbieter kristalliner Solarstromtechnologie hat seine Position clever ausgebaut. Das Unternehmen liefert die gesamte Wertschöpfungskette und erfüllte die Prognose eines Umsatzes von 1,3 Milliarden Euro im Jahr 2010. Dabei baut man die Produktionskapazitäten weiter weltweit aus, der Konzerngewinn lag bei soliden 87 Millionen Euro. Allein der Aktienkurs, im Jahresverlauf von 16 auf aktuell 9,70 € gefallen, machte die Aktionäre nicht richtig glücklich, die Schallgrenze von 10 Euro scheint psychologisch in weiter Ferne, eine Dividende von 19 Cent war da nur ein Trostpflästerchen.

Aber dafür erobert Solarworld nach dem Kernmarkt Deutschland zunehmend Terrain in Europa und den USA. Wenn nur der Preiskampf nicht wäre. Die Bonner mit ihrer Made-in-Germany-Qualität können mit den Preisen der Chinesen auf dem Weltmarkt kaum mithalten, den Preisrückgang bezifferte Finanzvorstand Phillipp Koecke auf 25% für das erste Quartal. Zu diesem heißen Thema wagte auch der eloquente Asbeck keinerlei Prognose.

Neue Köpfe für die solare Welt
Unterhaltsam wie immer gebärdet sich die Unternehmenskommunikation. Nach Lukas Podolski als Sympathieträger - schließlich ist Solarworld Premiumsponsor des 1.FC Köln - folgt auf Larry Hagman nun Hannes Jaennicke, der im aktuellen Spot einen fiesen Atomstrommanager mimt, der die böse Konkurrenz wittert. Das sind Eigenstromversorger von nebenan, sogar die niedliche Managerassistentin hat ihre eigene Solaranlage.

Ausgesprochen medienwirksam wird auch der vierköpfige Vorstand zum 1. Juli erweitert, natürlich mit einer Frau. Colette Rückert-Hennen kommt aus der Touristikbranche und hört auf den neudeutschen Titel Chief Human Ressources & Brand Officer. Im Klartext: sie ist verantwortlich für 3.600 Mitarbeiter weltweit und den Markenauftritt des Unternehmens.

Eine solare Welt: so aktuell wie nie, so lesenswert wie immer
„Eine solare Welt“ von Frank Asbeck, 2009 erschienen, ist quasi das Glaubensbekenntnis des Solarworld-Chefs, der als ehemaliger Sozialist und Grüner eine der schillerndsten Figuren der Bonner Szene ist, aber auch ein wortstarker Visionär der Energiewende. Das Buch sollte nach Fukushima Pflichtlektüre sein für die Merkels und Röttgens dieser Welt. Die 215 Seiten sind flott geschrieben, wenn ein Ghostwriter am Werk war, dann ein guter, wenn der Vorstand es selbst geschrieben hat, gebührt ihm ein dickes Kompliment. Das schwierige Thema Energiepolitik so einfach verständlich darzustellen, ohne es zu versimpeln, ist schon eine Kunst. Das Gelingen ist Vergnügen und Gewinn für den Leser.

 

Eine solare Welt
Frank H. Asbeck
Kiepenheuer & Witsch
14,95 €

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