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Neuer Papst | Petersdom

„Der bringt Frühling in die Kirche“

18. März 2013

Von: Markus Frädrich

Morgen wird Papst Franziskus mit einer Messe auf dem Petersplatz offiziell in sein Amt eingeführt. Steyler Missionare aus aller Welt wünschen ihm Gottes Segen für sein Pontifikat.

„Die Schwestern haben Luftsprünge gemacht, geweint und geschrien vor Freude darüber, dass der neue Papst ein Argentinier ist“, erinnert sich Adriana Deckert an vergangenen Mittwoch, an den Tag, als in Rom weißer Rauch aufstieg.  Seit Sommer absolviert die 19-Jährige einen Einsatz als Missionarin auf Zeit in einer Mädchenherberge im argentinischen Santa Maria. „Eine der Schwestern hat mit dem neuen Papst zusammengearbeitet, als er noch Erzbischof in Buenos Aires war, weswegen die Freude und die Emotionen besonders groß waren. In der Stadt wurden die argentinische und die vatikanische Flagge gehisst, ein langer Autokorso fuhr hupend durch die Straßen.“

„Die Südamerikaner freuen sich über den ersten Papst aus Lateinamerika“, bringt es Pater Hugo Scheer SVD aus dem brasilianischen Vitória auf den Punkt. „Wir hoffen, dass unsere Sorgen und Hoffnungen mehr in den Mittelpunkt der Theologie und der Pastoral der Kirche gelangen.“ Nicht nur die Steyler Missionare in Lateinamerika blicken mit großer Hoffnung auf den neuen Mann an der Spitze der katholischen Kirche. In vielen der rund 70 Wirkungsländer der „Gesellschaft des Göttlichen Wortes“ war die überraschende Wahl von Papst Franziskus in den vergangenen Tagen Gesprächsthema Nummer eins.

„Eigentlich hätte am Abend der Papstwahl für 25 Mitglieder unserer Heilig-Geist-Gemeinde ein Treffen der ‚Exerzitien im Alltag‘ stattfinden sollen“, berichtet Pater Norbert Cuypers SVD aus Berlin. „Weil aber gar nicht an ein thematisches Arbeiten zu denken war – jeder hatte nur im Kopf, wer der neue Papst werden würde – entschied sich die Gruppe spontan, das Wohnzimmer der Steyler zu ‚belagern‘, um mit ihnen zusammen den großen Moment des ‚Habemus Papam‘ abzuwarten. Als Papst Franziskus am Ende seines ersten Auftritts allen dann eine gute Nacht wünschte, brach im Wohnzimmer der Steyler Missionare ein spontaner Applaus der Freude aus.“

„Die Menschen in Kenia freuen sich und sind begeistert, dass ein Papst aus der neuen Welt gewählt worden ist“, schreibt Bruder Karl Schaarschmidt aus Nairobi. „Vielleicht wird ja der nächste ein Afrikaner sein? Ich wünsche mir vom Papst frischen Wind, der den Vatikan ausfegt. Ich wünsche mir, dass er neue Wege aufzeigt, die den Menschen die Kirche wieder glaubhaft machen.“ Der philippinische SVD-Missionar Sonny de Rivera meint: „Obwohl die Filipinos ihre Hoffnungen in den jungen Kardinal Luis Tagle gesetzt hatten, haben sie den neuen Papst mit offenen Armen empfangen. Als Nation glauben sie an die Stärke und die Inspiration durch den Heiligen Geist. Den neuen Papst mochten sie von dem Moment an, als er auf den Balkon trat. Ich bin mir sicher, viele Täuflinge werden bald den Namen ‚Francis‘ oder ‚Franziskus‘ tragen.“

„Mir hat ein Bild gut gefallen, auf dem Franziskus und seine Vorgänger mit je einem Wort beschrieben wurden: Johannes Paul II. mit ‚Hoffnung‘, Benedikt XVI. mit ‚Glaube‘ und Franziskus mit ‚Barmherzigkeit‘“, sagt Bruder Bernd Ruffing SVD, der sich im Norden Thailands für Aidskranke einsetzt. „Glaubensmomente auf horizontaler Ebene zu erleben: Das ist es, was uns erdet. ‚Unten dienen‘ macht uns glaubwürdig und bringt uns dem Evangelium näher.“ Nach dem gestrigen Sonntagsgottesdienst habe er einigen Jugendlichen in Nong Bua Lamphu Videoclips der Papstwahl gezeigt, berichtet Bruder Ruffing weiter. „Die Jugendlichen sind Buddhisten und hatten natürlich keine Vorstellung davon, wie der Papst gewählt wird. Sie waren aber sehr interessiert. Ich glaube, sie haben verstanden, dass der Papst für uns eine ganz besondere Bedeutung hat.“

„Ich war zufällig zu Hause, als in Rom der weiße Rauch aufstieg“, berichtet Pater Hugo Tewes aus der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa. „Ich habe dann gespannt vor dem Fernseher auf das Ergebnis gewartet. Das Ergebnis und die damit verbundene Überraschung erinnern mich an die Wahl von Johannes XXIII. Auch damals hörten wir bei der Bekanntgabe des Wahlergebnisses einen uns völlig unbekannten Namen. Ich war also zunächst ziemlich perplex und enttäuscht, erst recht, als ich hörte, dass Kardinal Jorge Mario Bergoglio schon 76 Jahre alt ist.“

Als weitere Informationen über den neuen Papst bekannt wurden, sei er jedoch angenehm überrascht gewesen, so Pater Tewes weiter. „Auch die Menschen in Kinshasa haben die Wahl des neuen Papstes letztendlich sehr positiv aufgenommen – vor allem wegen seines Einsatzes für die Armen und wegen seiner Schlichtheit, auf die schon die Wahl seines Namens hinweist. Ich wünsche dem Papst, dass er in der Kirche einige Dinge bewegen wird. Konkret: Dass er Wege findet, um dem Priestermangel entgegenzuwirken, indem er auch die Fragen nach dem Pflichtzölibat und nach der Zulassung der Frau zu Weiheämtern in der Kirche frei und offen diskutiert. Und dass er Laien in der Kirche mehr Kompetenzen einräumt. Seine Erfahrungen aus Südamerika können da vielleicht wegweisend sein.“

Auch Pater Antonio Pernia, der frühere Generalsuperior der Steyler Missionare, zeigt sich sehr glücklich mit der Wahl des neuen Papstes. „Ich bin schon zweimal mit ihm zusammengetroffen, und beide Begegnungen waren sehr inspirierend“, so Pernia. „Im Mai 2011 besuchte ich etwa unsere SVD-Mitbrüder in Buenos Aires. Eines Morgens  bot mir einer unserer Missionare an, mir ein wenig die Stadt zu zeigen. Als wir an der Kathedrale vorbeikamen, schlug mein Mitbruder vor, dem Erzbischof spontan einen Besuch abzustatten. Auf meinen Einwand, ob wir dafür keinen Termin bräuchten, winkte mein Mitbruder ab. Und Erzbischof Bergoglio empfing uns tatsächlich, als wären wir verabredet gewesen. Es war ein sehr erfrischender Besuch. Ich war sehr beeindruckt von der Demut und Bescheidenheit des Erzbischofs.“

Bergoglios Wahl verleihe der katholischen Kirche ein neues Gesicht. „Eines, das nicht länger europäisch, sondern global geprägt ist“, so Pernia. „Franziskus lenkt den Blick auf Lateinamerika, wo 50 Prozent aller Katholiken zu Hause sind.“ Als Ordensmann sei Bergoglio vielleicht aber auch der richtige, die Kurie und das Papstamt selbst zu reformieren, sei er doch mit dem demokratischen und kollegialen Führungsstil religiöser Ordensgemeinschaften bestens vertraut. „Der Generalsuperior einer Ordensgemeinschaft hat einen Rat, der gemeinsam mit ihm leitet und Entscheidungen trifft“, so Pernia. „Warum könnte nicht auch der Papst ein sechs- bis zehnköpfiges Gremium haben, das die Verantwortung und Führung mit ihm teilt? In einer immer komplexer werdenden Welt ist es wenig zeitgemäß, alleine zu regieren.“

Viele Steyler Missionare ziehen eine Parallele zwischen Papst Franziskus und ihrem eigenen Generalsuperior Heinz Kulüke. Seit dem vergangenen Sommer steht der ehemalige Philippinen-Missionar, der sich über Jahrzehnte für die Müllkippenkinder von Cebu City stark gemacht hat, an der Spitze der Kongregation. „Pater Kulüke kann sich bestätigt fühlen mit seinem starken sozialen Engagement und seinem einfachen Stil“, meint Bruder Bruno Rehm aus Deutschland – und verleiht seiner Bewunderung für den einfachen Stil des neuen Papstes Ausdruck, der alles Höfische vermeide. „Nach einer kurzen Schockstarre über das unerwartete Wahlergebnis bin ich überzeugt: Der bringt Frühling in die Kirche.“

„Möge der Papst die ersten Zeichen seines neuen Stils in der Gestaltung und Führung der Kirche durchhalten und Männer um sich versammeln, denen er vertrauen kann und die seine Richtung mittragen“, formuliert Pater Heinz Becker aus Wickede seine Wünsche an den neuen Papst.  „Die Betonung der sozialen Seite der Kirche könnte der Kirche in Europa wieder einen neuen Blickpunkt auf das Wesen des Christentums selbst eröffnen“, meint Pater Martin Neuhauser, Hausrektor der Steyler Niederlassung in Sankt Augustin. „Der Glaube an die offenbarte Liebe Gottes verwirklicht sich in der Liebe zum Menschen, besonders zu den Armen, ja zur Welt der Armen. Das ist uns Steylern doch ein Anliegen.“

Josef Denkmayr, der Provinzial der Steyler in Österreich, greift noch einmal Jorge Mario Bergoglio Fähigkeit auf, mit Augen und Ohren immer auch bei den Menschen an der Basis, beim einfachen Volk Gottes zu sein. „Ich wünsche ihm, dass er sich diese Haltung behält“, sagt Denkmayr. „Ich wünsche und bete um den Heiligen Geist für ihn an der „Spitze“, aber mindestens so viel bete ich um diesen Geist für die Menschen an der Basis. Denn das Potenzial für Veränderung geht meist von dort aus.“

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