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Mitteilungsarchiv - Zeitung und Kaffee

Böses Spiel mit gutem Essen

13. März 2012
 
Von: Ulrich C. Harz

Mit dem Essen spielt man nicht. Diese Binsenweisheit gilt nicht für die Nahrungsmittelfonds, die vom Nahrungsmangel profitieren wollen. Eine dunkle Seite der Finanzbranche.

Apfel mit Weltkugel 
 

Wer bei Lidl vor dem Obstregal steht, hat als Verbraucher die freie Wahl. Fair gehandelte Biobananen für 1,79 € mit dem Fairtrade-Siegel oder namenlose Wer-weiß-woher-Bananen für 1,29 €. Immer mehr Verbraucher treffen die Entscheidung für Fairtrade-Produke, denn sie haben gelernt, dass die paar Cent mehr zur sozialen Gerechtigkeit beitragen, dass anständige Löhne gezahlt werden und dass die Arbeiter eine soziale Grundabsicherung genießen.

Bittere Schokolade

Das ist leider nicht bei allen Produktketten so. Gerade der Grundstoff für Schokolade, Kakao, ist vehement in die Kritik geraten und der Süßwarenhandel zeichnet sich durch besondere Ignoranz aus. Kakao wird in 30 Entwicklungsländern angebaut, über 14 Millionen Menschen arbeiten weltweit in der Produktion, darunter viele Kinder, die die anstrengende Plantagenarbeit unter sklaven-ähnlichen Bedingungen verrichten müssen.

 

Die Arbeitsbedingungen sind schlecht und die Einkommen extrem niedrig. Das liegt auch an den starken Schwankungen an den internationalen Kakaobörsen, wird aber begünstigt durch das geringe Interesse von Schokoladenherstellern und Einzelhändlern, die Lieferketten zu durchschauen und zu verbessern.

Aktuell bietet das Südwind-Institut in Siegburg einen Aktionsflyer unter dem Titel „Die dunkle Seite der Schokolade“ zum Download an, die Kirchen unterstützen diese Aktion, die gerade in der Schokohasenzeit vor Ostern Sinn macht.

 

Dabei haben die Verbraucher, der Bananenmarkt zeigt das, alle Macht zur Veränderung. Sie können in den Geschäften nach der Herkunft fragen, sie können fair gehandelte Produkte bevorzugen und Initiativen und Netzwerke unterstützen, die sich für Veränderungen einsetzen. Die Konsumenten können so wirkungsvoll dazu beitragen, Kinderarbeit zu beenden, gerechte Preise für die Bauern zu ermöglichen und die Lieferkette transparenter zu gestalten.

Spekulation mit Lebensmitteln
Der absurde Widerspruch zwischen zunehmenden Hungersnöten auf der Welt und der wachsenden Spekulation mit agrarischen Rohstoffen hat zwei zusätzliche Motoren. Zum einen steigt in den großen Schwellenländern wie Brasilien und China der Fleischkonsum, darum werden deutlich höhere Mengen an Soja und Getreide dem Futterkreislauf zugeführt und der menschlichen Ernährung entzogen.

Ein weiterer signifikanter Wert ist die Beimischung von Agrartreibstoffen etwa in E 10 und Autodiesel, diese umstrittene politische Entscheidung trug wesentlich zur Preissteigerung bei. Überhaupt haben sich die Warenterminkontrakte zwischen 2002 und 2008 verdreifacht, wobei die Marktteilnehmer immer stärker Spekulanten sind, die nicht mit Rohstoffen handeln, sondern auf schnelle Gewinne spekulieren.

Anders als Getreidehändler oder Lebensmittelproduzenten, die sich mit solchen Kontrakten gegen Preisschwankungen schützen wollen, steht hier das kurzfristige Traden im Vordergrund, für Spekulanten sind Lebensmittel nicht primär ein Mittel gegen Hunger, sondern eine Ware zur Profitmaximierung.

Die Kirchen müssen hier ihre Stimme noch deutlicher erheben. In Anbetracht der großen Ströme des Welthandels bleibt es dann nur eine perverse Marginalie, dass deutsche Nordseekrabben zunehmend in Marokko gepult, in der Türkei verpackt werden, um anschließend wieder auf deutschen Tischen zu landen. Auch hier ist der Verbraucher die Instanz, die durch Nachfrage, Abwägung und Kaufentscheid Prozesse fördern oder verhindern kann.

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