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Seelsorge - Weg mit Kreuz

„Das Herz hat Gründe, die der Verstand nicht kennt!“

2. April 2015

Von: Pater Norbert Cuypers SVD

Am ersten Tag nach dem Sabbat, früh am Morgen, als es noch dunkel war, ging Maria aus Magdala zum Grab. Als sie sah, dass der Stein nicht mehr vor dem Eingang des Grabes lag, lief sie zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte. Aufgeregt berichtete sie ihnen: „Sie haben den Herrn aus dem Grab geholt, und wir wissen nicht, wohin sie ihn gebracht haben.” Da beeilten sich Petrus und der andere Jünger, um möglichst schnell zum Grab zu kommen. Gemeinsam liefen sie los, aber der andere war schneller als Petrus und kam als erster zum Grab.

Ohne hineinzugehen, schaute er in die Grabkammer und sah die Leinentücher dort liegen. Dann kam auch Simon Petrus. Er ging in das Grab hinein und sah ebenfalls die Leinentücher zusammen mit dem Tuch, das den Kopf Jesu bedeckt hatte. Es lag nicht zwischen den Leinentüchern, sondern zusammengefaltet an der Seite. Jetzt ging auch der andere Jünger, der zuerst angekommen war, in die Grabkammer. Er sah sich alles an und er glaubte. Nun wusste er sicher, dass Jesus von den Toten auferstanden war. Denn bis zu diesem Zeitpunkt hatten sie die Stelle in der Heiligen Schrift noch nicht verstanden, in der es heißt, dass Jesus von den Toten auferstehen wird.
(Joh 20,1-9)

Wir kennen das und lieben es, wenn bei Olympia und Weltmeisterschaften Menschen um die Wette laufen, um zu siegen, um Goldmedaillen zu gewinnen und natürlich um die Nr. 1 auf der nächsten Weltrangliste zu werden.

In der froh machenden Botschaft, die uns Johannes in der Bibel aufgeschrieben hat, wird auch von einem Wettlauf zwischen dem Lieblingsjünger Jesu und Petrus, dem Anführer des Jüngerkreises, erzählt (Joh 20, 1-9). Von Maria aus Magdala hatten beide Männer gehört, dass das Grab Jesu nämlich angeblich leer sei. Unglaublich! Deshalb liefen die beiden Freunde um die Wette, um nachzuschauen, ob das stimmen konnte, was diese Freundin Jesu behauptet hatte.

Es ist Johannes, „der Jünger, den Jesus liebte“, der als erster am Grab ankommt. Er geht interessanterweise aber nicht gleich ins Grab, sondern lässt Petrus, der nach ihm ankommt, den Vortritt. Dieser inspiziert alles ganz genau, sammelt Fakten und Indizien, gleichsam so, als ob er beweisen will, dass alles seine Richtigkeit hat. Ob Petrus, der erste Papst, nun die Botschaft von Ostern glaubte oder nicht, sagt uns die Bibel an dieser Stelle nicht. Anders hingegen beim „Jünger, den Jesus liebte“. Von ihm wird ausdrücklich gesagt: „Er sah und glaubte!“

Spätestens jetzt ist klar: bei diesem Wettlauf zum leeren Grab Jesu geht es dem Evangelisten nicht um Goldmedaillen und Weltranglisten. Es geht ihm um den inneren Wettkampf des Lebens, den wir als Christen besonders zu Ostern in der eigenen Brust erleben können: den Wettkampf zwischen Herz und Verstand. Das Osterfest fragt mich: Wem gleiche ich? Bin ich Petrus, und lasse in Glaubensdingen nur meinen nüchternen Verstand sprechen? Oder gleiche ich eher Johannes, der wusste: „Das Herz hat Gründe, die der Verstand nicht kennt“?

Das leere Grab – das Geheimnis von Ostern – ist meiner Meinung nach nur mit den Augen der Liebe, mit den Augen des Glaubens zu verstehen. Wie gut, dass uns die Kirche 50 Ostertage Zeit gibt, aus unserem Kopf auszusteigen und das Geheimnis des Glaubens mit dem Herzen zu erfassen.

 
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