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Schulden machen Geschichte

27. Juni 2012

Von: Ulrich J. C. Harz

Die Fachbuch-Bestsellerliste wird angeführt von zwei Büchern zu Finanzthemen. Wir stellen Ihnen das leisere und unbekanntere hier vor: „Schulden“ von David Graeber.

 

David Graeber 

 

Über Thilo Sarrazins „Europa braucht den Euro nicht“ ist schon alles gesagt, geschrieben, gesendet worden. Darum wollen wir einen nicht weniger wichtigen Bestseller vorstellen, David Graebers „Schulden – die ersten 5.000 Jahre“. Der jugendliche 50-jährige war bis zu seinem spektakulären Rauswurf Professor für Ethnologie an der Yale-Universität, zurzeit unterrichtet er in London. Der Aktivist Graeber war Mitbegründer der Occupy-Bewegung in New York. Sein Schulden-Buch setzte sich überraschend schnell in den Bestsellerlisten fest.

Moderne Sklaven
Über 500 Seiten schildert der Autor die Menschheitsgeschichte als eine Geschichte der Schulden, als in die Zukunft projizierte Versprechen. Überaus kenntnisreich, aber manchmal auch langatmig erläutert er die Wirtschaftssysteme von der Antike, den alten Sumerern über das Mittelalter bis in die Neuzeit. Für Graeber ist ein deutscher Hartz-IV-Empfänger nur die moderne Form eines römischen Sklaven ohne persönliche Freiheit, ohne Gestaltungsmöglichkeit seiner Lebensform. Dem kann man zustimmen.

Das Buch zeugt vom enormen Wissen des Autors. Selbst studierte Historiker finden hier Wirtschaftsdetails, die überraschen und verblüffen. Ob aber die Betrachtung von 5.000 Jahren Schuldengeschichte wirkliche Erkenntnisse liefert für die nächsten 50 Jahre, kann man getrost bezweifeln. Die Analyse vom schnellen Untergang des Kapitalismus scheint mehr Wunschdenken als wissenschaftliche Konsequenz. Doch der recht neue Begriff des Kamikaze-Kapitalismus ist eine bildlich-schöne Wortschöpfung.

Schuldenerlass für alle?
Letztlich plädiert Graeber für ein Ablassjahr aller Schulden, um wieder zu einer gerechteren Weltordnung zu kommen. Diese im Mittelalter übliche Form des Schuldenerlasses ist für ihn eine Form, die tiefen Gräben zwischen Proletariern und Kapitalisten zuzuschütten. Ein solcher Neustart wäre, wie ein Monopoly-Spiel bei verfahrenem Stand abzubrechen und ein neues zu beginnen.

Der bekennende Anarchist Graeber ist als Autor ein genialer Querdenker, kommt auch zu erfrischenden neuen Erkenntnissen, tappt aber oft in die ganz alten Marxismusfallen. Fazit: eine bereichernde Lektüre, eine brillante Analyse, als Ratgeber eher ungeeignet.


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Schulden – die ersten 5.000 Jahre
David Graeber

26,95 €
ISBN: 978-3-608-94767-0

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