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Steyler Buch-Tipps

Goldman-Sachs: Die Unersättlichen

06. März 2013

Warum verlässt ein aufstrebender Banker die erfolgreichste aller Investment-Banken, die legendäre, gleichwohl berühmt-berüchtigte Goldman-Sachs? Das Bekenntnis „Why I Left Goldman Sachs“ war als viel beachteter Aufsatz im März 2012 in der New York Times erschienen.

Geldgier: Hand giert nach Kleingeld

Der Autor Greg Smith machte einen Hintergrundbericht daraus, der auf 365 Seiten Einblicke in eine düstere Bankenwelt gibt. Der Rowohlt Verlag wollte das Buch unter dem reißerischen Titel „Die Unersättlichen“ möglichst schnell auf den Markt bringen. Drei Übersetzer arbeiteten parallel an der deutschen Ausgabe und das Buch ist spannend wie ein Mankell-Krimi und doch so voller Bankdetails, dass der Autor ein 12-seitiges Glossar braucht, um alle Fachbegriffe zu erklären. Wer ist dieser Greg Smith?

Der Praktikant mit dem Traum vom amerikanischen Erfolg
Der Autor kommt mit einem Stanford-Stipendium aus Südafrika, träumt den amerikanischen Traum vom Aufstieg, ergattert nach dem Studium einen Praktikumsplatz bei Goldman Sachs und ist im Epizentrum der Finanzwelt angekommen. Stolz berichtet er von dem Status des ersten Hauses an der Wall Street, vom harten Alltag der Praktikanten, die ihren Chefs das Mittagessen holen und sich proaktiv beweisen müssen, um nicht als Kopierer zu enden. Smith gewinnt, aus dem Praktikum wird ein fester Job.

Den Alltag in den Börsensälen mit über 600 Händlern schildert Smith so voller Details, dass seine Faszination dem Leser leicht nachvollziehbar wird. 2001 beginnt der Autor seine Karriere und steigt stetig in der Hierarchie nach oben. Für ihn hat das Unternehmen in den frühen Jahren ein Ethos, eine elitäre Haltung, einen Corpsgeist, der ihn stützt, ihm Halt gibt, ihm die Familie im fernen Südafrika ersetzt.

Goldman Sachs sind die Marines der Wall Street
Und alle Granden der Finanzwelt haben ihren Auftritt. Hollywoodreif die Szene, in welcher der Sanierer Warren Buffett mit dem heutigen Vorstandsvorsitzenden Lloyd Blankfein durch den Handelssaal schreitet und eine Liebeserklärung an das Traditionshaus abgibt.

Skrupellose Banker arbeiten mit lukrativen Investititionen
Mit dem Aufstieg des Greg Smith verändert sich auch seine Wahrnehmung, oder verändert sich der Geist des Hauses? Je höher in der Hierarchie, desto zynischer und skrupelloser die Kollegen, desto geringschätziger die Meinung von den Kunden, die zwar Milliarden Dollars verwalten, aber nur noch "Muppets", Marionetten, genannt werden.

Smith berichtet detailgenau von lukrativen Geschäften mit Libyen, das vom Weißen Haus zum Schurkenstaat erklärt wurde, bei den Goldmännern aber dennoch für Milliardendeals gut ist. Dass Goldman Sachs als globaler Player auch die Defizite Griechenlands trickreich verstecken konnte, zeigt, wie groß die Macht der Bank ist, die oft genug aus ihren Reihen den amerikanischen Finanzminister stellt.

Das Haifischbecken Finanzwelt
Nach zehn Jahren wird Smith nach London versetzt, hier sind die Anzüge edler als im rauhen New York, die Gesinnung aber noch schurkenhafter und zynischer. Er beschließt seinen Ausstieg, nimmt Monate davor Kontakt mit der New York Times auf.

An seinem letzten Arbeitstag, dem 14. März 2012, erscheint sein Insiderbericht als Beitrag und erschüttert die Finanzwelt. Das Buch ist die Langversion mit zahlreichen lesenswerten Details. Übrigens: das Buch hat Smith seiner Mutter gewidmet, die er seit Jahren von Johannesburg in die USA holen wollte.

Nachtrag:
Der Goldman Sachs Vorstand ist Anfang dieses Jahres en gros zum Weltwirtschaftsforum nach Davos gereist, um das neue Image der Bank zu verkaufen. Die Internetseite wurde emotional neu aufgelegt.

Die Vorstände erklärten, auch mit Obama zusammen zu arbeiten, nachdem die Bank im Wahlkampf entschlossen Mitt Romney unterstützt hatte, in Journalistenrunden und Hintergrund-Gesprächen wollte man das Blutsaugerimage ad acta legen, aber die Schlagzeilen diktierten die anderen: Greenpeace verlieh Goldman Sachs publikumswirksam den „Public Eye Jury Award“, weil es gegen enorme Honorare die Staatsschulden Griechenlands mit Finanztricks versteckt und so zur Eurokrise beigetragen hat.

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Das Buch
 
Greg Smith
Die Unersättlichen
Ein Goldman-Sachs-Banker rechnet ab

Rowohlt, 365 Seiten
19,95 €

bn_mehrpfeil_0.pngBei der Steyler Buchhandlung können Sie das Buch online erwerben.